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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
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in die Hände von Martin Luther , dem Doktor der Philosophie und Theologie. Dieser war schon lange nicht mehr einver­standen mit den Bräuchen und Sitten innerhalb der katholischen Kirche; nun erfuhr er von den Predigten Tetzels. Die Gläu­bigen wurden darin belehrt, daß sie ihre Sündenschuld auch durch Geld tilgen könnten, ohne Beichte und Buße, ja sogar ohne Reue. Es waren sogar feste Preise für bestimmte Sünden festgesetzt; Hexerei kostete 6 Dukaten, Totschlag 7, Kirchen­raub 9, Sodomiterei 12 Dukaten usw.

Diese Nachrichten bedeuteten für Martin Luther die letzten Tropfen, die das Faß zum Ueberlaufen brachten; am 31. Oktober schlug er seine 95 Thesen an die Schloßkirche in Wittenberg an, die den Auftakt zur Reformation gaben.

Die Reformation machte dem Geschäft mit dem Ablaß ein Ende. Der fanatische Haß der Hohenzollern richtete sich des­halb gegen Martin Luther ; mehr noch der Haß des Branden­burger Kurfürsten als der des Mainzer Erzbischofs; es war nicht die Religion, es war der gestörte Ablaßhandel, der diesen Haẞ entfachte. Auf dem Reichstag in Worms , vor dem der Refor­mator sich zu verantworten hatte, trat ihm niemand so scharf und verständnislos entgegen, wie der brandenburgische Kur­fürst Joachim I . Der Reichstag ächtete Martin Luther und verdammte die neue Lehre; der erste Mann des Reichstags, der Reichskanzler, war ja Albrecht von Hohenzollern kraft seines Amtes als Kurfürst von Mainz , und die Erzbischöfe von Trier und Köln saßen ebenfalls im ersten Kollegium dieses Reichstags, dessen zweites Kollegium auch neben der fürst­lichen eine geistliche Bank hatte. Hätte sich aber der Wille Joachims I. durchsetzen können, dann würde Martin Luther diesen Reichstag in Worms nicht lebend verlassen haben; er wäre verbrannt worden wie hundert Jahre vorher Johannes Hus in Konstanz . Auch an der Verurteilung dieses Refor­mators war ein Hohenzoller beteiligt, der erste hohen­zollernsche Kurfürst in Brandenburg, Friedrich I. Ueber seine