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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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auf den polnischen Königsthron, der bei der Uebernahme dieser Verwaltung noch nicht dreizehn Jahre alt war. Vierzehn Jahre lang regierte er als Kurprinz, dann noch sechzehn Jahre als Kurfürst; im Alter von 56 Jahren überließ er die Verwal­tung seinem Bruder Albrecht Achilles . Diesem gehörten be­reits die Fürstentümer Ansbach und Bayreuth ; in Prunk und Verschwendung leistete er Hervorragendes. Von ihm ist u. a. bekannt, daß er mit seiner Frau, im überladenen Schmuck von Perlen, Juwelen und Goldketten, in Begleitung von ein paar hundert Höflingen, auf mehr als tausend Pferden zu einer Hochzeitsfeier am herzoglichen Hof in Bayern zog. Das ist freilich nur ein Beispiel aus der üppigen Prachtentfaltung dieses Herrscherpaares, für welche aus dem Volke die Mittel heraus­gepreẞt wurden. Sechs Jahre lang versuchte Albrecht sein Glück in Brandenburg , dann überließ er es seinem Sohne Johann, das Kurfürstentum weiter zu regieren.

Johann war 21 Jahre alt, als diese Last auf seine Schultern gelegt wurde; er erhielt später den Beinamen Cicero, weil er ein guter Lateiner war. Sein Los war nicht beneidenswert; er mußte wiederholt seine Hochzeit verschieben, weil die dazu notwendigen Bettlaken nicht zu beschaffen waren. Was aus Brandenburg herauszuholen war, das ging an den prunkvollen Hof seiner Eltern in Franken. Seines Vaters Großmannspolitik und Verschwendung verschlangen ungeheure Summen; er hatte auch 19 Kinder auszusteuern, und diese Aussteuer erfolgte nicht nach der Zahlungsfähigkeit des Landes, sondern nach den prunkgewöhnten Anforderungen Albrechts und seiner Ge­mahlin. Alles hatte das Volk zu bezahlen; für seine Familie hinterließ Albrecht trotz all seiner Verschwendung ein Ver­mögen von 400 000 Gulden und sicherte seinen Söhnen in Franken ein Jahreseinkommen von 70 000 Gulden, denen in Brandenburg ein solches von 50 000 Gulden, wie er selbst dem Kaiser berichtete.

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