Druckschrift 
Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
  

Infolgedessen wuchs Friedrich II. am polnischen Königs- hofe auf und lernte polnische Sprache und polnische Sitten. Daß er ein deutscher Prinz war, das bedeutete in diesem Falle nichts für. den Hohenzoller; wäre der Plan seines deut- schen Vaters gelungen, dann wurde Brandenburg eine polnische Provinz und nicht der Grundstein zum Königreich Preußen. So weit war es her mit dem Deutschtum der Hohenzollern . Es geschah gegen Wunsch und Willen Friedrichs, daß Branden- burg ein deutsches Kurfürstentum blieb. Der König von Polen nahm eine vierte Frau, und diese schenkte ihm endlich den männlichen Thronerben, vernichtete die Hoffnung der Hohen- zollern auf den polnischen Königsthron und die Reichtümer Polens .

Sollte das etwa eine Fügung Gottes gewesen sein, um die Hohenzollern den Deutschen zu erhalten? Das widerspricht wieder einer göttlichen Inspiration der Regierenden; diese müßten doch mehr mit den göttlichen Absichten vertraut sein, wenn sie berufen wären, als von Gott gesetzte Obrigkeit zu handeln; sie müßten ja dazu immer im voraus wissen, was Gott will. Die Hohenzollern haben das in diesem Falle ganz ohne Zweifel nicht gewußt; sie sahen in dem Scheitern ihres Plans ein Mißgeschick und nicht eine göttliche Fügung, die zu ihrem und des Volkes Wohl getroffen war. Das Königreich Polen galt ihnen mehr als das deutsche Kurfürstentum, und dieses hätten sie ja polnisch gemacht; sie ließen ja nicht die kindliche Braut nach Berlin kommen, damit sie deutsch erzogen werden könnte, sondern schickten den siebenjährigen Bräu- tigam nach Warschau .

Es scheiterte nicht nur dieser eine Plan des ersten Hohen- zollern in Brandenburg ; auch das heißeste Streben nach Macht und Besitz genügt nicht immer zur Verwirklichung; nach zehn Jahren war Friedrich I. so weit, daß er dahin zurückkehrte, woher er gekommen war. Die Verwaltung der Mark Branden- burg überließ er seinem Sohne, dem enttäuschten Anwärter

39