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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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Wer viel besitzt, der hat auch starken Einfluß auf andere Leute, besonders dann, wenn er an diese Leute Geld verleiht. Den Rat seines Gläubigers befolgt mancher Schuldner auch dann, wenn er diesen Rat gar nicht für gut hält; er befolgt ihn nur, um nicht das Mißfallen seines Gläubigers zu erregen; der könnte ja plötzlich die Schuld einfordern.

Der Einfluß des Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg trug viel dazu bei, daß Sigismund von Luxemburg im Jahre 1411 zum deutschen Kaiser gewählt wurde. Sigismund war Kurfürst von Brandenburg und durch Heirat König von Ungarn ; als er Kaiser geworden war, verkaufte er dem Burggrafen von Nürnberg das Kurfürstentum Brandenburg für fünfhundert­tausend Gulden.

Wieder nur ein Geschäft ohne irgendeinen Anschein gött­licher Berufung. Kaiser und Kurfürst stehen da als ganz schlichte Handelsleute. Handel war in dieser Zeit der einzige Beruf, zu dem die Juden zugelassen waren, weil er als ehr­los galt.

Wenn das Bestreben, Macht und Besitz zu vermehren, eine Herrschertugend ist, dann besaß der Hohenzoller, Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg, nun Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg, diese Tugend in überreichem Maße. Er ver­traute auch weiterhin auf das Mittel dazu, das sich in seiner Familie schon mehrfach bewährt hatte; er suchte nach einer geeigneten Schwiegertochter.

Nachbar des Kurfürstentums Brandenburg war zu dieser Zeit das reiche und mächtige Königreich Polen. Der König

von Polen hatte auch von seiner dritten Frau noch keinen Sohn; daher galt die Prinzessin Hedwig als Thronerbin. Die gottbegnadete Weisheit Friedrichs erspähte diese Gelegenheit und gedachte, sie für sein Haus auszuwerten. Mit Geld und guten Worten stellte er ein freundliches Verhältnis zu dem König von Polen her, und dann verlobte er seinen sieben­jährigen Sohn mit der noch jüngeren Prinzessin von Polen .

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