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primitiv-menschliche Eigenschaften und Mittel, mit denen die Hohenzollern ihren Ruhm und ihren Besitz erwarben.
Eine reiche Erbin zu heiraten, dazu gehört noch nicht
einmal immer besondere Schlauheit und Geschick; es gibt Fälle, in denen man die Nase rümpft über den Mann, der sich verkauft, der mit dem Reichtum seiner Frau recht üble Eigen- schaften mit in Kauf nimmt. Nicht immer ist das so, aber es kommt vor, und man kann einen Menschen deshalb allein, weil er vorteilhaft geheiratet hat, noch nicht als ein Genie betrachten. - Einer aus der Ahnenreihe der Hohenzollern heiratete die Tochter eines Burggrafen von Nürnberg. Daß dieser Burggraf keinen männlichen Erben hatte, daran war der Hohenzoller doch gewiß unschuldig, aber er wurde so ganz unschuldig zum Burggrafen von Nürnberg, zum Erben dessen, was die Burg- grafen von Nürnberg ebenfalls aus Allgemeingut an sich ge- bracht hatten.
Ein Nachkomme dieses Hohenzollern in Nürnberg heiratete die Tochter des letzten Herzogs von Meran und Bayreuth ; auch dessen Güter kamen zu denen der Hohenzollern und Nürnberger . Als Herren über Land und Leute in diesen Ge- bieten lebten sie da schon in ganz erträglichen Verhältnissen.
Sie vermehrten ihren Besitz weiter auf eine Weise, die man vielfach jüdisch, aber keinesfalls fürstlich nannte; sie verliehen Geld an Leute, die verschuldet waren, und nahmen deren Güter
als Pfand. Wer erst einmal so weit verschuldet ist, daß er
seinen Besitz verpfändet, der kommt in den seltensten Fällen wieder in die Lage, diese Pfänder auszulösen. Das war auch früher schon so; und die Nürnberger Hohenzollern wußten das. Ein Nachbargut nach dem andern ging in das Eigentum der Burggrafen von Nürnberg über. Ganz nach Recht und Gesetz; aber Gottesgnadentum gehörte nicht dazu, in den Genuß dieser gesetzlichen Rechte zu kommen und auf diese Weise sein Land zu vergrößern, seinen Reichtum zu vermehren.
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