war; für gewöhnliche Sterbliche ist Bigamie strafbar. Außer den vier ‚rechtmäßigen‘ Frauen und vielen vorübergehenden Liebschaften unterhielt dieser König aus dem Hohenzollern - stamm auch noch eine ständige Geliebte, Wilhelmine Encke , die Tochter eines Musikers der Hofkapelle; sie war zum Schein mit dem Kammerdiener Ritz verheiratet. Später machte der König seine Geliebte zur Gräfin von Lichtenau. Die Kinder dieser Frau Ritz sind danach Graf und Gräfin von der Mark.
Solche und ähnliche Grafen und Gräfinnen sind keine Einzelerscheinungen. Als uneheliche Kinder des Königs, natürliche Kinder nannte man das, genossen sie hohe Ehren, waren adelig, während man die unehelichen Kinder anderer Leute als ehrlos behandelte und die Ahnentafel noch bis zum Jahre 1945 nur soweit anerkannte, wie sie durch rechtmäßige Ehen begründet werden konnte.
Auch die tausendjährige Ahnenreihe kann kein Vorrecht begründen und wurde doch mehr als tausend Jahre lang ganz allgemein"mit Ehrfurcht angestaunt, ein weiterer Beweis dafür, wie sehr. die Tradition überlebt ist, wie wenig sie jemals mit der Vernunft in Einklang zu bringen war.
Daß die Vorfahren der Hohenzollern schon vor tausend Jahren in Schwaben als Herzöge bekannt waren, soll nur zeigen, daß sie vor tausend Jahren schon zu denen gehörten, die sich von andern ernähren ließen, die ihren Besitz durch Mißbrauch der Macht aus dem Allgemeingut an sich gebracht hatten.
Nach dem deutschen Geschichtsunterricht haben die Hohen- zollern Preußen und das Deutsche Reich geschaffen. Die meisten Leute vermuten dahinter Fähigkeit und Leistung, die nur besonders Gottbegnadete vollbringen konnten. Auch diese Illusion muß zerstört werden, um der Vernunft, der Demokratie den Weg in die Hirne und Herzen freizumachen; es waren recht
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