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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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tete Knechtsinn und wehrt sich gegen die Demokratie, der er die Gottgewolltheit bestreitet.

Schon vor mehr als tausend Jahren waren die Vorfahren der Hohenzollern in Schwaben als Herzöge bekannt. Man sehe bitte darin aber ja nicht auch noch einen Vorzug, der den Adel begründet. Die lange Ahnenreihe haben andere Leute auch; sie stammen nur nicht alle ab von Familien, die immer von den andern ernährt wurden und deshalb Zeit und Gelegenheit hatten, ihren Stammbaum aufzeichnen zu lassen. Wirkliche Lücken bestehen in keiner Ahnenreihe, auch nicht in der Ahnenreihe des einfachen Bauern oder Arbeiters; es stammt jeder von seinem Vater ab und jeder Vater hatte einen Vater, auch wenn er ihn nicht gekannt hat und den Namen seiner Mutter weitervererbte. Wenn einzelne Männer Vater wurden, ohne einer gesetzlichen Formalität zu genügen, dann hatten zwar die Nachkommen davon gesetzliche Nachteile, aber sie wurden als Menschen nicht minderwertiger dadurch. Wollte man nach der sittlichen Reinheit urteilen, dann müßte mancher Adelige weit zurücktreten hinter manchen Bauer und Arbeiter; die Müßiggänger hatten ja viel mehr Zeit und Ge­legenheit, ihre Sittenreinheit in Gefahr zu bringen; ihre Ehen wurden in der Regel nach Zweckmäßigkeit, Erbfolge und Be­sitzer weiterung oder politischen Gesichtspunkten geschlossen, so daß sich das eigentliche Liebesleben bei ihnen fast regel­mäßig außerhalb der Ehe entwickelte. Friedrich Wilhelm II. , König von Preußen, schloß zwei Ehen zur rechten Hand und zwei zur linken Hand, morganatische Ehen. ( ,, morganatica" heißt Morgengabe.) Frau und Kinder der Ehe zur rechten Hand sind an den Standesvorrechten des Mannes beteiligt, die der linken Hand nicht; die Kinder aus den Ehen zur linken Hand sind auch nicht zur Erbfolge berechtigt; derselbe König zeugte also in gesetzlichen Ehen ebenbürtige, hochadelige, und auch nichtebenbürtige Kinder, wobei nebenbei bemerkt sei, daß auch die morganatische Ehe ein Vorrecht der Regierenden

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