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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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Schuldigen unsichtbar. Ein Teil von ihnen ist öffentlich ange­klagt, aber das sind ja nicht einmal die Hauptschuldigen. Kein Wort soll sie verteidigen, die als Kriegsverbrecher zur Ver­antwortung gezogen werden; viele Deutsche bedauern sogar, daß sie nicht von ihresgleichen gerichtet werden; der Prozeß in Nürnberg hätte dann keine drei Tage gedauert. Aber auch das gehört zum geistigen Wiederaufbau, daß wir die Rach­sucht der Gerechtigkeit unterordnen. und der Genugtuung darüber, daß nicht mehr das Nazirecht Geltung hat.

Auch die Schuld dieser Kriegsverbrecher hat ihren Ur­sprung im Kriege, trifft diejenigen, die den Krieg gewollt und herbeigeführt haben. Alle diejenigen, die zur Verhinderung der Demokratie beitrugen, sind mitschuldig. Jetzt tarnen sie sich mit dem Bekenntnis zur Demokratie; sie sind gefährlicher als die offenen Feinde der Demokratie.

In der Republik hat man diese Gefahren unterschätzt; Mili­tarismus und Nationalismus konnten sich in der Republik zum Nationalsozialismus weiterentwickeln. Die Regierung sah zu, teils in einer übersteigerten Zubilligung demokratischer Frei­heit, teils in Sympathie mit den Feinden dieser Freiheit. Die Freiheit muß in einem Volke, das noch nicht demokratisch ist, die Schranken haben, die zum Bestand der Demokratie er­forderlich sind. Wer die demokratische Freiheit miẞbraucht, um Gewalt zu predigen, der soll die Freiheit haben, seine Ge­walt zu erproben; dem soll Gewalt entgegengesetzt werden, solange es noch Zeit ist, Unheil zu verhüten.

Das deutsche Volk in der Republik war nicht demokratisch, konnte nicht demokratisch sein, weil seine Geschichte anti­demokratisch war. Sogar die Mehrzahl derer, die sich zur Demokratie bekannten, tat dies nur aus Opposition, so, wie auch heute noch viele ,, Demokraten " nur an die Stelle der Nazis treten wollen, nicht aber an dem System der Diktatur etwas ändern wollen. Der Ruf: Die Nazis müssen aus den

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