zwungene Leistungen sind niemals Höchstleistungen. Wir brauchen aber Höchstleistungen, und solche werden nur in bereitwilliger Zusammenarbeit, im gemeinsamen Tragen aller Lasten, aber auch im Bewußtsein gemeinsamer Nutznießung und auch gemeinsamer Planung erreicht. Aus diesem Grunde, und nicht in Befolgung einer Doktrin, sehen wir in der Demokratie die für uns notwendige Form des Staates. In der Demokratie soll jedem Deutschen das Bewußtsein werden, daß es sein Vaterland, seine Heimat ist, an deren Wiederaufbau er mitarbeitet, als Gleichberechtigter und Gleichgeachteter in allen Fragen, die das Allgemeinwohl in seiner Heimat betreffen. Jeder Deutsche soll wissen, daß nicht nur seine Schaffenskraft und seine Opferbereitschaft verlangt wird, sondern auch sein Rat; daß seine Meinung, wie seine Weltanschauung in dieser, seiner Heimat geachtet wird und als gleichberechtigt gilt. Das darf sich nicht nur auf die Formen des öffentlichen Lebens beschränken, nicht nur auf die selbstverständliche Heranziehung aller Kreise zu leitender und beratender Tätigkeit; es muß eindringen auch in das Privatleben, in die Denkart jedes Deutschen ; die Gleichbewertung auch der andern Ueberzeugung Es muß muß Allgemeingut und selbstverständlich werden. ein wirklich demokratisches Volk in die demokratischen Formen des neuen Deutschland hineinwachsen.
Sehr weit sind wir noch von diesem Ziel entfernt; aber sehr dringlich ist es, daß wir dieses Ziel so bald wie möglich erreichen. Alles, was wir von der Zukunft erwarten, alles, was wir in die Zukunft hinein planen, ist ja abhängig von unserer Entwicklung zur Demokratie. Zu den Folgen der Naziherrschaft gehört, daß wir ausgestoßen sind aus der Gemeinschaft der Völker. Wir gelten nicht nur als eine Gefahr für den Frieden der Welt, man verweigert uns auch die Anerkennung als Kulturvolk. Das ist bitter für ein Volk, das als Volk der Dichter und Denker Ansehen in der Welt genoẞ. Leider wurden im Namen dieses Volkes Verbrechen verübt und Un
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