man durch sie in seinen Hoffnungen getäuscht wurde, damit. wird man noch nicht Demokrat. Die vielen, die nur deshalb die Nazis hassen, weil sie den Krieg entfesselt und ihn nicht gewonnen haben, die bedeuten auch für die Demokratie nur eine Gefahr. Daß der Krieg verloren wurde, das ist für die meisten ja erst der Grund, sich von der Diktatur Hitlers abzuwenden. Und nur von der Diktatur Hitlers , nicht von der Diktatur an sich. Hätte Hitler seine Versprechungen erfüllt, wäre Deutschland Sieger im zweiten Weltkrieg, dann dürfte unsere Stellung als Demokraten und Friedensfreundein Deutschland nicht beneidenswert sein; Schrecken und Greuel des Krieges gehörten für die Erinnerung gar zu vieler Deutscher schon der Vergangenheit an, wenn andere Völker die Folgen. zu tragen und die Kosten zu bezahlen hätten.
Sichtbar und erkannt ist nur das Verderben, in welches uns die Diktatur gestürzt hat; daß dies im Wesen der Diktatur liegt, daß die Diktatur auch eine Schmach für ein Volk ist, wenn die äußeren Folgen nicht so unverkennbar in Erscheinung treten, von dieser Erkenntnis ist das deutsche Volk in seiner Mehrheit noch weit entfernt.
Die Flucht zur Demokratie erfolgt jetzt in der Erwartung, die Demokratie soll die Wünsche erfüllen, welche vorher vergeblich an die Diktatur gerichtet waren; die Demokratie soll nun die Folgen der Diktatur abwenden. Wie sie das tun soll und ob das möglich ist, darüber denkt man ebensowenig nach, wie man dies tat, als man seinen Stimmzettel für die NSDAP . abgab, ebensowenig wie vorher, als man die gleichen Anforderungen an die Republik stellte. Unmögliches verlangte man von der Republik , und diese scheiterte daran, daß sie Unmögliches nicht möglich machen konnte. Unmögliches erwartet man auch jetzt wieder von der Demokratie, weil man von der Demokratie entweder gar keine, oder nur eine ganz verworrene Vorstellung hat.
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