Druckschrift 
Der Geist der Mitte : das andere Deutschland : die "Umschulung" der Deutschen / August Blume
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen

lich zu können, was von ihr verlangt wird und auch auf ihr beruht: die Heilung des kranken Volkskörpers der Deutschen . Daß in dem schönen Schein dieses Letzten Kant mit einbegriffen und das ,, An sich" als das unbegriffene Allgemeine in die Wirklichkeit gesetzt etwas ganz anderes verlangen könnte, das ist dem Professoren- Denken trotz des a posteriorischen heutiger Erfahrung in weltweiter Ferne. So weltenweit, daß der Einzelne, jeder Einzelne statt dessen sich sagen muẞ: Ich, in diesem Heute, hier gesetzt, auf dieses, jedes Jetzt kommt es an: in diesem Ankommen kommt die ,, Gesundung".

Erkenntnis hier, jetzt ist das Ereignis als Ergebnis, daß, um zur Ge­sundung zu bringen, gewonnen werden muß ein überwindendes Ab­standnehmen von Kant und allem Kantischen. Unter seinen Händen und ohne den für Alles und Jedes, für Geist, Seele und Leib ausschlag­gebenden ,, Faktor Denken" verwandelt sich alles zum Verschwinden, statt zu vollziehen, denn mit ihm im Bunde sind Impulse wirksam gegensätzlicher Art, die das Land der Verheißung in das Nichts von Trug und Blendwerk aufgehen lassen- falls ihnen überlassen bleibt. Ein Reich des Erkennens ersteht im überwindenden Abstandgewin­nen, das, statt Kants Bestimmungen zu übernehmen und selbst mit ihnen aufzugehen, in ihnen in den Verlust mitzugeraten, statt alledem die Bestimmung durch uns, die wir uns zu halten haben, erst erhalten muẞ. Denn die Fülle farbigen Reichtums und aller Vielfalt von Formen und Gestalten einer blühenden Landschaft etwa vor uns ist sonst über­all und immer im Begriff, in ein totes Grau verwandelt zu ver­schwinden.

Wir kennen, durch gewisse Symptome aufmerksam geworden, Ort und Stelle dieser Verwandlung und das Wie: An den Früchten lernen wir kennen ihre Art. Wir selbst haben, uns erhaltend, ein Mittel­punktswesen gebildet, als Kräftequell: Da wir uns als Geist erfaßt haben, der zugleich der Schöpfer ist( dem Wesen nach, nicht im Wir­ken dem Schöpfer gleicher Art, wie von ihm gewollt): ,, Ich" als dieser im Hier und Jetzt, das es heute gilt, kämpft gegen uns so, daß wir uns zu halten haben, das für sich Welt zu begründen sucht, auf Grund von berufenen ,, Gegenständen". Auch hier, auf der Gegenseite im Aus­einandersetzen gegen- ständiger Art, ist Wesen zuzuerkennen, nicht bloẞ Vorstellung. Denn Anderes, nicht Wesenhaftes würde sich nicht halten, müßte sich dem ,, Ich" gegenüber in Nichts auflösen, wie der Nebel vor der Sonne. Es ist gut, und der Fortgang Kants fordert es von neuem, sich zusammenzufassen: Ich bin, im Besitze meines den­

34