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Der Geist der Mitte : das andere Deutschland : die "Umschulung" der Deutschen / August Blume
Entstehung
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Wem sich, in teilnehmender Verfolgung des in vorhergehender Ab­teilung Dargestellten die Frage losgerungen hat: Was soll ich, der Einzelne, in das Schicksal der Gesamtheit des Volkes übel verflochten und von ihm abhängig, wie der schwimmende Kork mit der Wasser­fläche sich hebt oder fällt, was bleibt mir zu tun übrig? er kann in dem hier Folgenden, auf Kant Bezüglichen, neben allgemeiner Be­deutung eine Antwort sehen, die diejenigen ansprechen kann, die in den Ernst, mit dem sie sich angelegen sein lassen zu fragen, un­gescheut Vorurteile hineinwerfen, weil sie gelernt haben zumindest das Eine, daß es allerdings an der Zeit ist, Angewöhntem gegenüber­zutreten mit Neuem, ja, daẞ in Bisherigem, dem Umbruch der Scholle ähnlich, Neues keimen muß, wenn überhaupt Leben erwartet werden, das Leben weitergehen soll. Es kann sich ja nicht beklagen, im Fin­stern zubringen zu müssen, wer hereinscheinendes, hereingereichtes Licht ausbläst, des besseren Träumens wegen, das er noch immer vor­zieht. Es waren doch selbstgeschmiedete Ketten, und Andere haben uns befreit, aber sinnvoll nur, um uns auf uns selbst gestellt zu sehen es war ein Kerker, von uns errichtet, der zerschmettert werden mußte von der Welt um uns herum, der mit einer Zwingburg emporgewachsen, wo eine Gralsburg zu erwarten war: Wo, nun, ist Freiheit der Deutschen , ist gefüllte Grals- Schale, ist der Gral? Darauf haben wir zu antworten mit ganzem Leib und ganzem Leben, in der Ganzheit unserer Menschlichkeit, nicht mit leichtfertiger Ausrede, zu antworten der Welt, die fordernd nicht bloß gekommen ist, die da ist infolge von Versäumnis und Verschuldung: Wo ist der wahre Deutsche und seine Welt, wahr in jeder Lebenslage, heute, in Jedem? Ist geblieben, was wert ist zu überleben? Steht nicht geschrieben: ,, Nur die Wahrheit wird euch freimachen?" Sie, diese sind nicht zu leugnen: die Ereignisse, sie sind als Folge von jenen unverkennbar, und der Gang der Geschichte im Wohl oder Übel leitet so sicher auf die Spur, wie der Stern von Bethlehem die Magier aus dem Morgen­lande sicher führte zu Zeit und Ort der Geburt des Weltheilandes. Sind um uns Geburtswehen, ist Dämonie des Herodes, oder ist beides sich anheftend an Weltumwälzendes? Eines ist sicher: Der Mensch der Zukunft hat sein Bild gestellt, es ist in der Welt, das von der Zeit, ihr gerecht zu werden geforderte neue Menschenbild, das von jedem Heute in die Zukunft leitet, längst ist es da! Vorenthalten, verleugnet von denen, die es empfingen, von Deutschen ! Und nahezu ein halbes Jahrhundert ist mit dieser seiner Geschichte von Verkennung und

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