und trunkener Übermut, jetzt Dumpfheit, in den Augen, in dem Sinn der Schlaf vernunftloser Kreatur, sich‘ Traumbilder vergangener, Wunschbilder zukünftiger Zeiten zuwünschend, andere und anderes verwünschend: die notgedrungene Lebensangst, die hinterbliebene Lebensnot, wer nimmt sie ernstlich auf sich? Lebensmut, strotzende Kraft, Vertrauen, Hoffnung, alles wirkte der Werkmeister Mensch in das Werk: nun verwirkt. Denn nun zeigt sich, die Rechnung war ver- kehrt schon angelegt, nun nichts übrig ist. Da die Anlage alles ver- schlang, nun alles verschlungen ist: Der Mensch, in der Rechnung aufgegangen, im Rechenfehler ist er mit verschwunden: sein Werk, Er, unfrejwilliger Ironiker, der, o Ironie, doch leben muß, der Wille triebhaft in ihm ist, und unberechenbar wie unbestechlich. Dahin, das Eine, oh,„unser alles“, dahier, das Andere:„nein, nichts für uns”. Und beides wider Willen. Man„versteht die Welt nicht mehr‘, nun, da„alles vorbei ist‘. Da, seht das Zeichen, da ist es wieder! Und, furchtbarstes Deutsch, deutlich in deutscher Sprache und Schrift, den Deutschen zugeschrieben:„Gewogen und zu leicht befunden.—
Ein technisches Problem also, dieser Spruch der Verdammung, eines Ungenannten dazu! Das zu lösen sollte dem selber fast Maß und Ge- wicht gewordenen Menschen dieser Zeit nicht möglich sein? Fein- fühlig immer noch auf seine Berufs-Ehre? Naturkräfte hat er bezwun- gen wie keiner vor ihm, seine Natur, was ist mit ihr, wo blieb sie auf der Strecke? Freilich ist es Zeit, sich Gedanken zu machen, ist uns ja fast nichts geblieben sonst. Und dazu, sicher: wer es jetzt versäumt, bleibt in dem Chaos der Masse, aus dem nichts zu holen ist. Seiner Natur gemäße Gedanken, wo ist ihrer habhaft zu werden und wie? Der in der Technik groß gewordene Gedanke hat sich gegen ihn selbst gewandt, ihn auf die Waage gebracht, den Menschen, der sie groß gemacht: Gerichtstag ist.„Techniker“ sind ihm übermächtig gewor- den: gibt es denn Techniker im Geiste? Dem Techniker der Natur Überlegene? Sie, die statt des Selbstes, das denkt, vermöchten, in dem Gedanken Selbst zu sein— und darin Geist zu sein?
Wägen wir, aber, wie wir gelernt haben—„Natur“ zwang uns dazu — gerecht, wie an Maß, Zahl, Gewicht wir gelernt haben, aber bei- leibe nicht mehr nach Maß, Zahl und Gewicht! Darin scheint die Lebensentscheidung unseres Selbstes zu sein. Der Mensch, der ge- rechte Wäger seiner selbst, er muß sich sagen: Dieser Mensch, Natur- kräften hingegeben, ist ihm mit dort hinüber. Denn die Schale seines Selbst ist leer, in schwindelnder Höhe, ihm fast unerreichbar, ent-
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