bereitungen einer Revolte können zwar nicht festgestellt werden, doch ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß durch sie über die von ihnen besetzten Lagerfunktionen, wie Arbeitseinsatz, Schreibstube, Capos, Blockpersonal und Revierpersonal ein zersetzender Einfluß ausgeübt wird. Eine allgemeine Lockerung der Disziplin, das Fernbleiben von der Arbeitsstelle und die sich immer mehr häufenden Sabotageakte in der Rüstungsindustrie sind die Folgen. Ihr freundschaftliches Verhältnis den Ausländern gegenüber und der Zusammenhalt der politischen deutschen Häftlinge unter sich gibt zur Befürchtung Anlaß, daß die Ruhe und Ordnung im Lager nicht mehr gewährleistet ist. Ich beantrage deshalb...“
In der Antwort kam zwar nicht das gewünschte Urteil, aber doch der Befehl, diese Unverbesserlichen in Gruppen von acht Häftlingen in andere Lager zu verschicken. Das bedeutete für uns nicht nur ein Zerreißen alter Kameradschaften, sondern auch eine wesentliche Verschlechterung der Lebensbedingungen in neuen, unbekannten Lagern. Für viele war es der Tod.
Im Dachauer Lager bedeutete die Absetzung und Verschickung dieser etwa 100 Aktivisten einen spürbaren Kurswechsel. Alle die von ihnen innegehabten Funktionen wurden nun mit willfährigen Werkzeugen besetzt. Nach langjähriger Unterbrechung gab es zum erstenmal wieder Berufsverbrecher als Blockälteste und Capos. Den Unterschied zwischen diesen und den politischen Überzeugungstätern mußte nun mancher ihnen Unterstellte am eigenen Körper spüren.
Nach sechs Wochen Arrest kam ich mit meinen fünf anderen Kameraden in die Strafkompagnie. Um unsere völlige Isolierung zu gewährleisten, wurde das rote Personal auf diesem Block einen Tag vorher durch Grüne ersetzt. Rings um den ganzen Block wurde ein zweiter Stacheldraht gezogen. Das half aber alles nichts, der Geist der internationalen Solidarität war stärker. Diesmal waren es vor allem Russen und Fran zosen , die uns unter großer Gefahr Lebensmittel, Zeitungen und andere notwendige Bedarfsgegenstände hereinschmuggelten. Ebenso zeigten die Geistlichen in jenen Tagen, daß sie uns auch in der Stunde der Not nicht vergessen hatten.
Nicht nur wir, die wir nun in der Strafkompagnie versammelt waren, sondern darüber hinaus auch solche Kameraden, die noch im Lager waren, wurden jetzt in kleine Gruppen verfrachtet und nach allen Richtungen verschickt. So kam auch ich mit anderen im Oktober 1944 nach Neuen gamme bei Hamburg .
Über dieses Lager gibt es nicht viel Neues zu berichten. Die Verhältnisse entsprachen denen von Dachau . Nur war hier alles noch dreckiger und korrupter. Das Essen, die Unterkünfte, alles war wesentlich schlechter.
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