Druckschrift 
Wir klagen an! : Ein Bericht über den Kampf, das Leiden und das Sterben in deutschen Konzentrationslagern ; Moor, Dachau, Mauthausen, Neuengamme, "Cap Arcona" / von Julius Schätzle, Schutzhäflting Nr. 211
Entstehung
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Organisationstour von einem anderen 14- Mann erwischt, so ging man der sicheren Bestrafung entgegen.

Den Auftraggeber anzugeben, wäre nicht nur zwecklos gewesen, son­dern hätte die Strafe noch erhöht. Wenn nun alle Zufälligkeiten zu­sammentrafen, so konnte man noch erleben, daß man von dem 14- Mann, für den man eine Schwarzarbeit ausführte, 25 Stockhiebe übergezogen bekam.

Jahre des Grauens und des Elends vergingen so hinter dem Stachel­draht. Der deutsche Faschismus marschierte von Sieg zu Sieg. Es schien, als gäbe es auf der ganzen Welt nichts, was diesem Vormarsch Einhalt gebieten könnte. Alles, was nicht Nazi war, wurde niedergetreten. In den Steinbrüchen von Mauthausen und Flossenbürg ließ man im Winter 1939/40 junge deutsche Männer zu Tausenden verhungern und erfrieren. Man fühlte sich so stark, daß man glaubte, auf diese Arbeits- und Wehr­kraft verzichten zu können.

Zu Beginn des zweiten Kriegsjahres trat jedoch die erste Ernüchterung ein. Es wurde klar, daß der Blitzkrieg den gewünschten Sieg nicht ge­bracht hatte. Man mußte sich auf lange und harte Jahre umstellen. Die Mobilisierung aller Arbeitskräfte machte auch vor den Toren der Kon­zentrationslager nicht halt.

Die neue Klassifizierung der Häftlinge lautete auf arbeitsfähig und nichtarbeitsfähig. Der Nichtarbeitsfähige wurde als unnützer Esser be­trachtet und mußte zugunsten des brauchbaren Arbeitssklaven zurück­stehen. Der Unterschied begann schon in der Unterbringung. In den Blocks der Arbeitsfähigen kamen auf eine Stube, die einst für 48 Mann gebaut wurde, 100 bis 150 Häftlinge, in den sogenannten Invalidenblocks 250 Mann pro Stube. Auch in der Versorgung mit Wäsche und Kleidern waren die unbrauchbaren Invaliden viel schlechter gestellt.

An Stelle der planlosen und unwichtigen Arbeiten trat die Arbeit in der Rüstungsindustrie immer mehr in den Vordergrund. Die für Lager­zwecke eingesetzten Häftlinge wurden auf Befehl des Reichsführers 44 immer mehr reduziert; zuletzt durften nur noch fünf Prozent von den in Arbeit befindlichen dafür eingesetzt werden.

Neben den 44- eigenen Betrieben wurden nun die bedeutendsten Rü­stungsbetriebe mit Arbeitskräften versorgt. Daraus wurden für die 44 wie auch für die Rüstungsindustriellen neue Profite freigemacht. Für den Spottpreis von täglich RM. 4.- für den Hilfsarbeiter und RM. 6.- für den Facharbeiter wurden die modernen Arbeitssklaven an die Industrie verkauft.

Durch dieses famose Geschäft hatte das Lager Dachau ein Monats­einkommen von über 2 Millionen Mark. Es gab jedoch viele Konzen­trationslager, die auf Grund ihrer größerer Belegschaft noch höhere Ein­nahmen hatten wie Dachau .

Diesen enormen Einnahmen standen als tägliche Ausgaben für den Unterhalt des einzelnen Häftlings RM. 1.- bis RM. 1.50 gegenüber.

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