ihre besondere Freude daran, mit dem aufgepflanzten Bajonett die Häftlinge bis zum Umfallen zu quälen.
Im Jahre 1938 war ich einmal bei einer Kolonne am Rollwagen. Wir mußten hinter der-Kaserne einen riesigen Erdhaufen etwa 800 Meter weit transportieren. Die 4 stellte ein Spalier mit 20 Meter Abstand und hier durch wurden wir von morgens bis abends gejagt. Zu der Arbeit des Auf- und Abladens legten wir jeden Tag 50 bis 60 Kilometer über unebenes Baugelände zurück.
Auf demselben Bauplatz ereignete sich um dieselbe Zeit Folgendes: Ein österreichischer Richter, der unter der Regierung Dollfuß einen Prozeß gegen österreichische Nationalsozialisten geführt hatte und gemäß den Gesetzen und seiner Pflicht dieselben verurteilte, wurde nach dem deutschen Einmarsch verhaftet und kam nach Dachau in den Arrest. Erst Monate später wurde er daraus entlassen und kam zu uns in die Strafkompagnie nach Block 17.
Bei der Arbeit am anderen Tag bekam er ,, Sonderbehandlung", das heißt, er mußte Schubkarren fahren, und ein-Mann war sein ständiger Begleiter. Brach er vor Erschöpfung zusammen, so brachte ihn ein Fußtritt wieder in die Höhe. Ging er mit dem Schubkarren zu langsam, so bekam er von hinten einen Stoß und flog über seinen Karren hinweg. Ohne eine Sekunde Ruhe ging es so den ganzen Tag. Gegen Abend war er vom Kopf bis zum Fuß mit Dreck und Blut überzogen. Alles Treten und Prügeln half nichts mehr, er blieb erschöpft am Boden liegen. Da packte ihn der-Mann, warf ihn in den Schubkarren und führte ihn zu einer alten Kiesgrube, deren Sohle mit faulendem, stinkendem Wasser gefüllt war. Hier kippte er den Karren um, und der Häftling rollte über die Böschung hinunter ins Wasser. Nur mit.knapper Not vermochte er sich noch daraus zu retten.
In derselben Nacht ging er freiwillig in den Tod, um vor seinen Peinigern Ruhe zu haben.
Daß die-Führung und höheren Parteigenossen neben ihren komfortablen Wohnungen noch ihre Sommervillen hatten, ist bekannt. Daß sie die Baumaterialien hiezu samt den Bauarbeitern in Dachau unentgeltlich ,, organisierten", dürfte für viele neu sein. Für die Bauten der Zentralbauleitung der Waffen-% mußten die Materialien meistens zweimal bestellt werden. In Berlin wurden Rechnungen vorgelegt für Zement zur Betonierung des Lager- Appellplatzes und der Lagerstraßen. Diese Arbeiten wurden aber nie durchgeführt, weil die Herren Kommandanten Loritz und v. Baranovsky und Konsorten damit ihre Villen bauten.
Die kleineren Herren befahlen den Häftlingen, das zu bringen oder anzufertigen, was sie nötig hatten. Vom Schuhnagel angefangen, über den Herren- oder Damenmantel, bis zum kompletten Schlafzimmer. Alles wurde auf diese Art zusammengehamstert. Einen solchen Auftrag abzulehnen, war meistens unmöglich, weil sonst der-Mann dem Häftling das Leben zur Hölle machen konnte. Wurde man jedoch bei einer derartigen
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