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Krieg
, Wer Hitler wählt, wählt den Krieg!", stand in allen Flugblättern und Aufrufen der Kommunisten. Trotzdem gab es am 6. November 1932 bei freien Reichstagswahlen elf Millionen deutsche Staatsbürger, die ihre Stimme der NSDAP . gaben und daher voll und ganz für die Weiterentwicklung Deutschlands zum Krieg mitverantwortlich sind.
Der Kriegsausbruch am 1. September 1939 war nur die folgerichtige Fortführung der Politik der deutschen Reaktion in seiner ausgeprägtesten Form durch die NSDAP .
Die aktiven Antifaschisten, die unter Einsatz ihres Lebens diesen Krieg verhindern wollten, die dem deutschen Volk diese Ströme von Blut und Tränen ersparen wollten, hielt man bereits sechs Jahre hinter Stacheldraht und brandmarkte sie als Volksverräter.
Nun war dieser Krieg mit all seinen Schrecken zur Tatsache geworden. Wir waren uns im Lager alle bewußt, daß eine Reihe von schweren Jahren vor uns liegen werde. Wir waren aber auch davon überzeugt, daß dieser Krieg der Anfang vom Ende des Tausendjährigen Reiches sei.
Deshalb konnte bei uns auch keine Trauer und keine niedergedrückte Stimmung aufkommen. Wohl war alles in einer fieberhaften Spannung, und die Frage unseres Schicksals und der weiteren politischen und militärischen Entwicklung wurde hundertmal erörtert. Eine Parole jagte die andere. Unsere schlimmsten Peiniger, die jungen 4- Männer des Totenkopfverbandes, waren abgerückt, um in den besetzten Ländern ihr Unwesen weiterzutreiben. Alte Landsturmmänner nahmen ihre Plätze ein.
Wenige Tage nach Kriegsausbruch wurde bekannt, daß das Dachauer Lager als Konzentrationslager aufgelöst werde und zur Unterbringung von Truppen vorgesehen war. In raschem Tempo wurden die notwendigen Arbeiten erledigt und die Lagerinsassen in drei großen Transporten abgeschickt. Ein Trupp ging nach Buchenwald , ein zweiter nach Flossenbürg und der dritte nach Mauthausen . Zu letzterem kamen alle ,, Zweitmaligen", darunter auch ich.
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Mauthausen
In gehobener Stimmung trafen wir die Reisevorbereitungen und marschierten am anderen Tage durch das Lagertor, als ging es in die Freiheit und nach Hause. Überall gab es nur eine Meinung: Dachau ist die Hölle auf Erden, etwas Schlimmeres kann es auf dieser Welt nicht geben.
Langsam rollte unser Zug gegen Osten, über Linz nach Mauthausen . Was wußte man viel von diesem Lager? Das einzig Konkrete war, es gibt dort einen großen Steinbruch. Alles andere war leeres Gerede. Mit bangem
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