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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
Entstehung
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ZWOLF JAHRE gelang es diesen Verbrechern, in fast ganz

Europa die Flammen; anzuzünden. Sie haben Millionen Menschen in das größte Unglück gestürzt, Millionen unschuldiger Männer, Frauen und Kinder vernichtet. Sie bauten unzählige Baracken, die für Millionen zum Grab wurden. Sie brachten ein Elend, wie es die Welt bis dahin noch nicht sah. Sie zerrissen Familien und ließen nur einen Teil von ihnen als unglückliche Menschen) zurück. Man schleppte über alle Straßen Deutschlands Wracks von Menschen und dies soll keiner gesehen haben? Man verbrannte bei Tag und Nacht die Opfer und keiner soll das bemerkt haben? Nicht nur die SS hat uns gepeinigt, sondern auch biedere Soldaten der Wehrmacht . Überall in den Städten, in den Dörfern wurden Vernichtungslager gebaut.

Meine Erlebnisse gab ich ohrie Haß wieder und ich schrieb sie heute, weil es mir Bedürfnis ist, diese Tragödie allen ins Gewissen zu rufen, die nichts mehr davon zu wissen vorgeben und die nichts mehr davon hören möchten. Schonvor dem Jahre 1933 bekam man in Deutschland eine Ahnung von dem Kommenden, schon vor derMachtübernahme gaben sie unglücklichen Menschen deshalb, weil sie Juden waren, ihre Kraft zu spüren. Mehrere Male wurde ich auf den Straßen überfallen und miß-

"handelt, und dennoch glaubte ich unentwegt, daß die Vernunft in sie ein-

kehren werde. Aber ich hatte mich getäuscht. Ich wurde verschleppt und verlor alles was ich; besaß, ich verlor aber vor allem das Teuerste: meine Angehörigen. Und was mich heute besonders berührt, ist die Schändung jüdischer Friedhöfe. Ich glaube, daß es wieder dieselben Ele- mente sind, die bereits wieder ihren Kopf heben und von neuem ihr grausiges Spiel versuchen. Die Menschheit muß sich dieses Unheils noch einmal zutiefst bewußt werden; in jedem aber, der sein Gewissen nicht erneut belasten will, muß der Rechtsgedanke lebendig werden. Aus die- sem Unglück gilt es zu lernen, daß der Mensch etwas Heiliges ist.

Ich litt unter dem gelben Stern, ich trug ihn und werde ihn immer tragen nicht in der Farbe, die sie uns aufgezwungen haben, sondern als Zeichen eines freiheitliebenden Menschen und Juden.