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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
Entstehung
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VORWORT

Drei Jahre sind vergangen seit meiner Befreiung. Drei Jahre habe ich gezögert, ehe ich mich entschloß, das niederzuschreiben, was ich im Laufe von fünf schweren Jahren in fünf Arbeitslagern und drei Konzen­trationslagern erlebt habe.

Vielleicht hat man den Eindruck, das KZ- Erlebnisse heute nicht mehr aktuell seien, daß die Zeit über diese Erlebnisse und die Erinnerun­gen der Männer und Frauen dahingegangen sei, die das unvorstellbare Glück hatten, die Hölle auf Erden zu überleben. Und daß die Zeit nun auch die Wunden verheilt, die Tränen getrocknet und die grauenhaften Bilder in unseren Herzen verwischt habe.

Ich habe bewußt diese drei Jahre verstreichen lassen, auf die Ge­fahr hin, daß man mir alle diese Argumente entgegenhalten werde. Auf die Gefahr hin, daß viele andere vor mir mit den Berichten ihrer Erleb­nisse an die Öffentlichkeit treten und das, was ich noch zu sagen habe, nicht mehr neu und sensationell sein werde.

Ich habe diese Zeit verstreichen lassen, um meinen Leidensweg leidenschaftslos und ohne Haß niederschreiben zu können. Es sollte kein Sensationsbericht daraus werden, sondern die unmittelbare Schilderung eines Mannes, der ganz tief drinnen gesteckt hat in der Masse der Tot­geweihten, das persönliche Erlebnis eines Mannes aus dem Volke, der unter normalen Umständen vielleicht niemals in seinem Leben auf den Gedanken gekommen wäre, die Feder in die Hand zu nehmen und andern zu vermitteln, was er erlebt und gedacht hat.

Ich glaube nicht, daß die Zeit vorbei ist für das, was ich vorhabe: anderen Menschen erneut ins Gedächtnis zu rufen, daß das Leben etwas Heiliges ist, daß sich für das Recht auf das Leben jedes Einzelnen jeder Kampf und jedes Opfer lohnt.

Ich möchte an dieser Stelle in Dankbarkeit unserer Befreier ge­denken, den Soldaten der alliierten Armeen, die uns und die ganze Welt unter Einsatz ihres Lebens vor dem völligen Untergang bewahrt haben.

Und in Ehrfurcht gedenke ich der vielen toten Leidensgenossen, der unbekannten Kämpfer in den Ghettos und Lagern, meinen Brüdern und Schwestern, denen nicht das Glück beschieden war, den Tag der Freiheit zu erleben.

Ich gedenke in Liebe meiner drei Schwestern und ihrer Kinder, meiner Mutter, meiner Frau und meines Kindes, von denen nichts ge­blieben ist als das Gedächtnis und die tiefe Liebe eines einsam Über­lebenden.

Konstanz , Sommer 1948.

Abraham Hochhäuser.