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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
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Es schien keine Aussicht zu sein, diese letzte Station noch zu über- leben. Und doch kam eines Tages noch einmal der Befehl zum Weiter- marsch; wir wurden abermals verladen und nach Süden in Bewegung gesetzt.

Die Befreiung

Unser Zug war acht Tage lang /urlterwegs, das heißt, die meiste Zeit standen wir irgendwo auf den Geleisen und warteten auf die kom- menden Ereignisse, immer noch in der furchtbaren Angst, daß man in der letzten Minute die Zeugen schrecklicher Taten umbringen könnte. Dazu grassierte der Hungertod in unvorstellbarem Maße unter den aus- gemergelten Häftlingen, Alles deutete darauf hin, daß das furchtbare Morden bald zu Ende sein werde.

Wenn der Zug anhielt, sprangen die Menichen rudelweise aus den Wagen und stürzten ungeachtet der Postenschüsse auf die Wiesen, um Frösche und anderes Getier zu suchen. Um diese scheußliche Beute ent- stand dann unter den, Verzweifelten ein wilder Kampf.

Am 29. April 1945 hatten wir bereits drei Tage auf derselben Stelle stillgestanden und bemerkten nun auf einmal durch die Ritzen in den Wänden unserer Waggons, daß draußen etwas geschah. Von Weitem waren Schüsse zu vernehmen, und auf einmal war unsere Bewachung wie vom Erdboden verschluckt. Sterbende hielten sich mit letzter Kraft noch aufrecht, um den nächsten Tag zu erleben. Am nächsten Tag tauchten plötzlich am Bahnkörper Tausende von Frauen in Häftlingskleidern; auf: es waren weibliche Gefangene aus Ungarn . Wir waren frei.

Rote-Kreuz-Autos fuhren heran und luden Pakete ab, die vom Amerikanischen Roten Kreuz stammten. Die Ausgehungerten stürzten sich in besinnungsloser Gier über diese lang entbehrten Genüsse. Man- cher von ihnen mußte diese nur zu verständliche Unbesonnenheit nun noch mit dem Leben bezahlen, weil der beinahe abgestorbene Organis- mus die plötzliche Überladung einfach nicht ertragen konnte.

Aber noch ein letztes Mal drohte uns Gefahr: plötzlich bekamen wir von irgendwo her Feuer. Es waren wahrscheinlich unsere Befreier selbst, die:glaubten, ihre Feinde vor sich zu haben. Wir zogen eine weiße Flagge auf und winkten mit allem, was wir zur Verfügung hatten, den alliierten Soldaten; zu. Unsere Befreier waren eine französische Ein- heit, die innerhalb der amerikanischen Armee kämpfte. Eine große Er- griffenheit bemächtiste sich unser in diesem Augenblick, den wir seit vielen Jahren so sehnlich erwartet hatten. Herzliche Grüße einer war- men, brüderlichen Menschlichkeit wurden uns von den französischen Soldaten zuteil, die uns mit der Rettung vor dem Hungertod, der uns

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