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Grund zum Hoffen und zum Fürchten zugleich. Eines Tages hieß es, wir würden alle vernichtet, dann wieder, das Lager werde evakuiert und wir müßten in ein weiter landeinwärts gelegenes K.Z. zurückmarschieren. Die Vorarbeiter auf der Baustelle waren schon nicht mehr recht bei der Sache. Sie sprachen sich gegenseitig Mut zu und überboten einander in phantastischen Gaukeleien. Einer von ihnen, der Vorarbeiter Gerlach von der Firma Gebr. Heß in Breslau , wußte von Zehntausenden von japanischen Flugzeugen zu berichten, die zum Einsatz für Deutschland bereitstünden. Diese Leute wußten gewiß selbst, wie nötig sie es hatten, sich Mut zuzureden. Insbesonders Gerlach war im Lager wegen seiner Niedertracht berühmt geworden. Seine Spezialität hatte darin bestanden, die Häftlinge erst arbeitsunfähig zu schlagen und sie dann wegen schlechter Arbeitsleistungen anzuschwärzen. Wenn man in seiner Gruppe arbeiten mußte, kam man sehr häufig anstatt um sieben Uhr, erst gegen neun nach Hause, und das bedeutete in unserer Verfassung viel, wenn es in solchen Fällen auch eine Zulage in Form des üblichen Fraßes gab.
Am 20. Januar kam die Entscheidung Fünfteichen mußte geräumt werden. Laut einem Befehl der Lagerleitung sollte kein Häftling in die Hände des Feindes fallen. Vor der Auflösung des Lagers wurden die Bestände den Häftlingen freigegeben. Die russischen Häftlinge drangen in die Küche ein und warfen alles Eßbare in den Hof des Lagers. Dort entstand ein gewaltiger Tumult. Wer Glück hatte, errang eine Stange Wurst und ein paar Brote, wer Pech hatte, eine Kugel, die ab und zu von den Posten auf dem Turm in die Menge gefeuert wurde. Ins Lager selbst trauten sich die Posten nicht mehr herein; es war das erste Mal, daß ich eine regelrechte revolutionäre Stimmung in einem Lager erlebte. Am nächsten Morgen wurden aus unserem Block 30 Mann kommandiert, die am Ende des Lagers ein großes Grab schaufeln mußten Eine dichte Frostschicht lag wie eine Glasglocke über der Erde; es war eine schwere Arbeit mit Spitzhacke und Spaten. Wir ahnten wieder Fürchterliches, hofften jedoch, daß die Zeit für eine größere Massenhinrichtung nicht mehr ausreichend sein werde.
In der Tat marschierten wir dann auch am Nachmittag gegen vier Uhr ab. Bald hörten wir in unserem Rücken eine heftige Schießerei und es bemächtigte sich unser eine große Freude: wir glaubten, daß der ,, Feind" vom Lager Besitz ergriffen hätte. Aber unsere Freude wurde mit einem Schlage wieder in eine tiefe Trauer umgewandelt, als wir später erfuhren, woher das Schießen rührte: man hatte die zurückgebliebenen 1200 Kranken des Reviers umgebracht und sie in dem Massengrab, das wir mitgeschaufelt hatten, eingescharrt.
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