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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
Entstehung
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Es genügte aber auch schon, daß man bei der abendlichen Leibes­visitation ein paar Kartoffeln oder ein Stück Brot bei uns fand, die von einem der französischen, holländischen oder belgischen Mitgefangenen stammten.( Diese standen im ,, freien" Arbeitseinsatz und hatten deshalb etwas bessere Lebensverhältnisse als die KZ- Häftlinge.)

Am schlimmsten war es, wenn diese Ereignisse beide zusammen­trafen. Ich erinnere mich besonders eines Abends, an dem festgestellt worden war, daß der Hauptkapo, dem wir für kurze Zeit eine Verbesse­rung unserer Lage zu verdanken gehabt hatten, nicht mehr da war. Eine Horde wildgewordener Bestien, Menschen und vierbeinige Bluthunde, nahm die Verfolgung nach allen Richtungen auf. Die ganze Baustelle, eine Fläche von wohl 40 000 qm, wurde durchgekämmt. Der Kapo blieb aber trotz allem Aufwand verschwunden. Die Reaktion auf dieses nega­tive Ergebnis hatten wir über uns ergehen zu lassen. SS - Leute und Hunde wetteiferten miteinander, uns zu massakrieren. Viele Verletzte lagen bald hilflos am Boden. Dann ging es zurück ins Lager.

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Wir

Bei der Ankunft wurde eine Leibesvisitation durchgeführt. mußten die Hände im Nacken zusammenlegen und wurden durchsucht. Schon bei unserer Ankunft hatten wir lange Tische bereitstehen gesehen, die zur Bestrafung der Sünder dienen sollten. Der Unglückliche, bei dem man etwas gefunden hatte, wurde gepackt, ein Blockältester setzte sich ihm auf den Nacken und zwei vollgefressene Henker sie waren selbst Häftlinge!- prügelten bis zur Bewußtlosigkeit auf ihn ein. Der Erfolg dieser Exekutionen waren viele Tote. Da es bei uns im Lager selbst keine Verbrennungsöfen gab, wurden die Leichen in die Latrine geschleppt, wo sie jeweils Mittwoch und Samstag in große Särge zu acht bis zehn gelegt wurden. Diese Leichenkisten wurden dann nach dem traurig- berühmten K. Z. Großrosen transportiert, wo ein Verbrennungsofen zur Verfügung stand. Bei diesen Transporten gingen häufig auch lebende Häftlinge mit, darunter viele Deutsche, deren Verbrechen darin bestand, daß sie sich zur Arbeit am Westwall oder sonstwo geweigert hatten. In Großrosen gab es außer den Öfen ein sogenanntes heimliches Gericht, das diese Leute wegen Kriegssabotage zu Tode verurteilte. Die Liquidation konnte dann gleich an Ort und Stelle erfolgen. Durch diese Umstände kam ich mit manchem Einwohner meiner früheren Heimatstadt Breslau in Berührung. Diese Deutschen wurden zwar etwas besser als wir Juden behandelt, en­deten aber auch ebenso in den meisten Fällen auf die eben beschriebene Weise.

Um zu jenem Tage zurückzukommen, an dem unser Hauptkapo ver­schwunden war: Nach dem Einmarsch ins Lager und dem eben beschrie­benen ersten Akt der Bestrafung wurde wieder Sport gemacht.

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