tern, hausten die Häftlinige: jeweils 150 Mann. Der Mittelteil der Baracke war für den Blockältesten vorbehalten, der hier in einem weißen Bett auf weichen Federn schlief. Zur Bewältigung seiner„Arbeit“ hatte er noch zwei; Helfer bei sich. Außerdem hielten sich viele einen sogenann- ten„Feifuß“, einen jungen Häftling, der auch den sexuellen Bedürfnissen des Blockältesten entgegenkam. Diese Blockältesten und ihre Trabanten, die„Prominenten“, wurden abends häufig von der SS -Lagerführung zu- sammengetrommelt. Dann wurden neue„Erziehungsmethoden“ für die Häftlinge beraten.
Wir Neuen wurden zunächst aber einmal entlaust. Dazu mußten wir Block für Block draußen vor der Waschbaracke antreten und uns vollständig ausziehen. Jeweils 300 Mann wurden in die Waschbaracke, die bedeutend kleiner als ein Wohnblock war, eingesperrt. Die ausgemer- gelten Körper wurden drinnen von einer heißen Dusche übergossen. Man- chem brachte ein solches Bad eine Erkältung, die sich in: seiner körper- lichen Verfassung verheerend auswirkte und die vielen das Leben kostete,
Im Laufschritt ging es dann zu den Baracken zurück, wo wir unser erstes sogenanntes Abendessen erhielten. Es war eine Tasse roter Rüben mit heißem Wasser. Aber auch ein solcher Fraß war schnell verschlun- gen. Als man uns am nächsten Morgen um vier Uhr weckte, gab es zu- nächst wieder eine Suppe, die diesmal aus Wasser mit grünen Blättern bestand. Dann mußten die Baracken gereinigt werden. Jeweils 50 Leute blieben zu diesem Zweck in den Blocks zurück, der Rest mußte bis zum Appell auf der Latrine warten. Um 5 Uhr kam Befehl zum Antreten. Wir mußten in Reih und Glied Aufstellung nehmen, und der Blockälteste verlas erneut die Lagerordnung und) die Anordnungen über das Verhal- ten auf der Baustelle. Das dauerte etwa eine weitere Stunde lang, und wir mußten die ganze Zeit über in Achtungstellung verharren. Die Schwächeren drohten fortwährend umzukippen und wir mußten sie un- auffällig stützen, damit sie nicht schon vor Beginn: des Ausmarsches zu- sammenbrachen. Endlich kam der Befehl zum Abmarsch, der uns eine regelrechte Erlösung schien nach dieser Prozedur.
Endlich durften wir uns bewegen. Und wie wir uns bewegen durften! Im Takt der Musik hieß es Mützen auf, Mützen ab. Die wilde SS-Horde tat ein Übriges, indem sie den Takt des Marsches mit den Fäusten auf unseren Körpern mittrommelten. Der Knüppel sauste dau- ernd in unsere Reihen hinein. Trotzdem wurde uns etwas leichter zu Mute, als wir das Lager endlich hinter uns hatten und uns der Arbeits- stelle näherten. Man hoffte auch immer, daß auf diesem Weg einmal ein Wunder geschehen würde, das die Freiheit bringen könnte. Ein solches Wunder aber geschah nie.
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