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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
Entstehung
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der Wachhabende, Polizeioberwachtmeister Krause aus Breslau , dem Ju- denältesten, wer seine Arbeitspflicht auf der Baustelle nicht erfüllt hatte. Anschließend fanden die Exekutionen statt. Die drei Henker des Lagers, mit Namen Fonie, Mächtiger und Bossak, walteten in einem tagsüber als Schneiderstube verwendeten Lokal ihres Amtes. Die Bestrafung für De- likte wie Unsauberkeit in den Baracken, Schlafen beim Nachtdienst in den Stuben, Diebstahl von einer Handvoll Kartoffeln u. a., führten sie mit Hilfe eines Gummiknüppels durch, mit dem sie mörderisch auf den De- linquenten einschlugen. Die Henkersknechte zeigten bei ihrer Arbeit nicht einen Funken Mitgefühl mit ihren Opfern; manch einer blieb unter der Wucht ihrer unmenschlicheni Schläge tot liegen.

Die Lagerkost war, wie schon erwähnt, völlig unzureichend:!/» kg Brot,'/» lt. schwarzer Kaffee, auf der Baustelle eine dünne Suppe und zum Mittagessen eine Schüssel voll grüner Blätter, die Gemüse genannt wurden, und: Kartoffeln. An Sonn- und Feiertagen gab es 20 gr Zucker, ebensoviel Margarine, Kartoffeln mit Sauerkraut und ein kleines Stück Fleisch. Von solchen Rationen konnte kein Mensch leben. Durchzukom- men war deshalb nur, wenn man: geschickt genug war, auf irgendeinem Wege seinen Vorarbeiter zu bestechen, daß dieser einen mit Brot und Kartoffeln zusätzlich versorgte. Wer das nicht konnte, war dem Hunger- tode unerbittlich ausgeliefert.

Neben dem Hunger herrschten Krankheiten im Lager, die einen hohen Prozentsatz an Opfern forderten! In diesem Zusammenhang möchte ich eines Mannes gedenken, der wirklich einmal von seiner rohen Um- gebung abstach: es war der Sanitäter Bergmann aus Beunsburg(Bend- zin), der zu seinen Kranken wie ein Vater war.

Da der Weg von Markstädt zum nächsten Krematorium weit war, wurde es uns gestattet, unsere Toten auf einem kleinen Acker mit jüdi- schen) Riten zu bestatten. Die Namen der Toten durften jedoch nicht auf die Gräber geschrieben werden. Wir haben so viele von unseren Freun- den zur Ruhe gebettet, namenlos und ohne daß ein) einziger von. ihren Angehörigen dabei war, sie zu betrauern.

Für Religionsübungen ließ man uns in Markstädt eine gewisse Frei- heit. Am Abend durfte in den Baracken gebetet und an den Feiertag&n sogar in: verschiedenen Stuben ein provisorischer Gottesdienst abgehalten werden. An Sonn- und Feiertagen verzichteten viele der frommen Juden auf ihre nicht koschere Fleischration und tauschten sie bei Kameraden gegen ein Stück Brot um. Am Jon. Kippur, am Versöhnungsfest, fasteten alle. Mit tiefer Hingabe wurden die Gebete verrichtet und die Hilfe der Vorsehung für unsere Unglücklichen zu Hause herabgefleht. Baruch Mei- ster, der Judenälteste, ermöglichte es zu Ostern sogar, daß eine koschere

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