Druckschrift 
Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
  

der Mannschaft ausgesondert und zu einem Sammeltransport in die rus- sische Steppe zusammengestellt. Nur ein geringer Teil dieser Leute hat die neuen schweren Strapazen überstanden, die die harte Arbeit in der weiten russischen Steppe, zeitweise bei einer Kälte von 40 bis 50 Grad, mit sich brachten. Die besten meiner Kameraden sind auf diese Weise in Rußland gefallen ünd kehrten niemals mehr zu uns zurück.

Für die anderen, die den Rußlandtransporten entgangen waren, kam in der gleichen Zeit ein neuer Befehl, nach dem wir in ein anderes Arbeitslager überführt wurden. Der Rest der Belegschaft des Lagers Brande, unter dem ich mich befand, wurde zur Neuerrichtung des Lagers Tarnowitz in Oberschlesien abkommandiert. Wir waren noch ca. 600 Mann.

Im Zwangsarbeitslager Tarnowitz

Die Stadt Tarnowitz liegt inmitten des Oberschlesischen Industrie- gebietes. Unter starker Bewachung durch SA rollte unser Zug mit den 600 Arbeitssklaven auf dem Bahnhof ein. Das Ausladen mußte, wie üb- lich, in raschem Tempo vor sich gehen. Auf dem Bahnsteig hatte sich eine schaulustige Menge angesammelt, die unseren Weg dicht umsäumte. Wir müssen einen sehr heruntergekommenen Eindruck gemacht haben, denn hinter uns lag eine 24stündige Reise im Viehwagen in: fürchterlich- sier Enge. Wieder wurden wir in Fünferreihen formiert, umständlich ab- gezählt und einer Abteilung junger SS-Männer übergeben. Der Weg ins neue Lager dauerte zwei Stunden.

Als wir durch die Stadt marschierten, kamen wir an einer Schar junger Zivilisten vorüber, denen unser Anblick großes Vergnügen zu be- reiten schien. Aber wir begegneten) auf diesem Marsch durch die Stadt auch vielen anderen, meist älteren Leuten, die beschämt die Augen nie- derschlugen, als sie uns sahen. Ihnen begegnete ein solches Massenauf- gebot zusammengetriebener Juden nicht jeden Tag, und man hatte wohl auch einige Vorstellungen davon, was uns in dem Lager vor ihrer Stadt blühte.

Um das Lager zu erreichen, mußte man, wie gesagt, von der Stadt Tarnowitz aus zwei Stunden zu Fuß laufen. Es war in) der Nähe eines Waldes gelegen und, bestand eigentlich aus drei verschiedenen Lagern, die jedoch gemeinsam hatten, daß sie alle sehr reichlich mit Stacheldraht umgeben waren. Als wir näher kamen, konnten wir aus dem äußeren Bild, das die Lager boten, schon erkennen, daß sie verschiedenen Zwecken dienten. Das nächstgelegene es war nicht einmal das übelste war für uns bestimmt. Ein zweites stach durch den verhältnismäßig guten

27