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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
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Der einzige Ausweg: Selbstmord

Mancher unter uns sah keinen anderen Ausweg aus der Trostlosig- keit eines solchenLebens als den Tod. Ich erinnere mich noch gut an einen schlanken, schwächlichen Jungen, den Sohn eines Rabbiners aus Sosnowitz , der infolge der harten Arbeit krank geworden war, sich dann aber freiwillig zur Arbeitsstelle meldete, wo er sich unter eine fahrende Feldbahn-Lokomotive warf. Als er auf dem Friedhof in der nahegelege- nen Stadt beerdigt wurde, durften vier von seinen Kameraden ihm das letzte Geleit geben.

Die schwersten Stunden standen uns jedoch bevor, wenn einer den Versuch gemacht hatte, aus dem Lager zu entfliehen. Ob es Sommer oder Winter war, sämtliche Lagerinsassen wurden in einem solchen Falle zu einem Appell versammelt, der mitunter die ganze Nacht lang dauerte. Aber auch die geringsten Disziplinarvergehen wurden mit furchtbaren Schikanen bestraft. Wenn; nachts eine Postenkontrolle kam, hatte man ihm mit lauter Stimme entgegenzuschreien:Achtung, Herr Wachtmeister, Stube 32, belegt mit 75 Juden. Das gebot die Lagerordnung. Wenn dies nicht geschah, wurde die ganze Stube aus dem Schlaf gerissen, kaum be- kleidet auf den eisigen Hof gejagt und zwanzig oder dreißig Mal mit Hun- den durch Lager gehetzt. Bei dieser Gelegenheit brachte mancher schwere Biß- und Reißwunden mit.

Auch vor den Kranken machten solche barbarischen Methoden nicht Halt. Während der 18 Monate, die ich im Lager Brande verbrachte, habe ich es häufig erlebt, daß der stellvertretende Lagerführer Thiem aus Dzieditz alle Kranken aus den Stuben zusammenkommen ließ, um sie anschließend, selbst bei 20 Grad Frost nur mit ihren Hemden bekleidet, im Hof herumzujagen. Es schien für ihn eine besondere Freude zu be- deuten, wenn: er sah, wie sich die leidenden Menschen vor Schmerzen wanden und krümmten. Dieser Mann war ein Sadist, wie man ihn sich nicht schlimmer vorstellen kanin. Der später angelegte, nicht weit vom Lager entfernte Friedhof mit den langen Reihen von Grabhügeln ist ein Zeugnis seiner Taten. Seine Trabanten, darunter vor allem der wach- habende SA-Scharführer Schelmak aus Oberschlesien , gingen ihm kräftig zur Hand und waren bei seinen Erfolgen auf diesem Gebiet maßgebend beteiligt. Was sonst die Posten noch zu ihrem Privatvergnügen: mit uns getrieben habeni, lohnt sich im Einzelnen nicht, zu erwähnen. Insgesamt war es ein Hohn auf Begriffe wie Gerechtigkeit und Menschenwürde. Um nur einiges noch am Rande zu erwähnen; mitunter machten sich die SA- Leute einen Spaß daraus, uns zu befehlen, daß wir uns gegenseitig ins Gesicht schlugen, bis einer der Partner des unmenschlichen Spieles zu-

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