geglaubte Methoden der Barbarei an die Stelle dieser Goetheschen Bestimmung des Menschen getreten! Es war, als ob die Finsternis in ihrem Kampfe gegen das Licht bis zu dem leuchtendsten Gestirn deutschen Gei­stes und deutscher Humanität vorgedrungen sei, als ob sie inmitten des heiligen Herzens unseres Vaterlandes neben den hellsten Punkt unserer Geschichte seinen dunkelsten gesetzt hätte. Möge jetzt die Zeit kommen, da die Deutschen ihre Seele völlig lösen von der blutigen Schmach, die in dem Namen Buchenwald ihren deut­lichsten Ausdruck findet! Mögen sie zurückkehren zu der Reinheit und Klarheit des Geistes Goethes und sich den Wahlspruch Friedrich Schillers, des anderen großen Deutschen des klassischen Weimar, wieder zu eigen machen: Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben. Bewahret sie!"

Zur Ehre meiner kleinen Vaterstadt muß ich feststel­len, daß in ihr trotz dem allgemeinen Kotau vor dem Nazisystem viele tapfere Männer anzutreffen waren, die aufrecht und innerlich ungebrochen durch die zwölf Jahre nationalsozialistischer Tyrannei geschrit­ten sind. Zu ihnen gehören in erster Linie die lokalen Führer der sozialdemokratischen und kommunistischen Partei, die, zum Teil wiederholt, durch die Gefängnisse und Konzentrationslager geschleppt worden sind. Aber auch im Bürgertum, unter den Bauern und in der Be­amtenschaft traf man Persönlichkeiten, die, beseelt von den alten deutschen Begriffen von Wahrheit, Frei­heit, Recht und Ehre, nicht zu bewegen waren, vor dem Terror des Nationalsozialismus den Nacken zu beugen. Da ihr unsichtbarer Einfluß auf die Bevölke­rung stark war, kam ihrem Vorhandensein eine grö­Bere Bedeutung zu als sich in ihrer Zahl ausdrückte. Alle diese Männer stammten aus den verschiedensten

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