KAPITEL 4
Der Nazismus im Reiche Sauckels und Goethes
Sein Untergang in der Kleinstadt
Zusammenschluß der antifaschistischen Kräfte
Meine Absicht, in Pößneck nur vorübergehend Halt zu machen und rasch in der Einsamkeit zu verschwinden, schlug fehl. Die Kriegslage hatte sich im oberen Saaletal so verschärft, daß es nicht ratsam schien, weiter zu fahren. Es fand sich auch kein Wagen, der bereit gewesen wäre, uns mitzunehmen. So mußten wir in Pößneck bleiben und dort das Ende des Krieges abwarten. Die wirtschaftliche Struktur der Stadt meiner Jugend hatte während des Krieges einige bedeutsame Veränderungen erfahren. Die alteingesessene Textilindustrie war zum größten Teil stillgelegt worden. Die Maschinen hatte man gelagert, bis der Frieden sie zu neuem Leben erwecken würde. Die freigewordenen Räume dienten kriegswichtigen Fertigungen. Rüstungsfirmen waren aus luftgefährdeten Gebieten hierher verlagert worden. Angesichts dieser Verhältnisse war es kein Wunder, daß die Bedrohung der Stadt durch Luftangriffe in den letzten Monaten dieses Krieges immer stärker wurde. Als ich am Nachmittag des 10. April in Pößneck eintraf, zitterte in der Bevölkerung noch die heftige Erregung nach, in die sie durch zwei schwere Bombenangriffe am 8. April, einem Sonntag, versetzt worden war. Die Zerstörungen durch diese Angriffe waren schwer und empfindlich. Die Front war sehr nahe gerückt. Der Alarm riß nicht ab. Kampfflugzeuge und Tiefflieger überflogen fast ununterbrochen das Stadtgebiet. Deutsche Truppen lagen in der Stadt und in
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