des durch die Nazionalsozialisten vertretenen Vater­landes der Fortdauer der herrschenden Tyrannei vor­ziehen. Zwar gelang es der Wehrmachtführung noch einmal, dem vordringenden Gegner westlich des Rheins einen Aufschub aufzuzwingen; daß es nur eine Gna­denfrist und keine Wende sein werde, war uns keinen Augenblick zweifelhaft. Dagegen erfüllte sich die Hoff­nung vieler Häftlinge der Aktion Gitter, weil diese rasch abgeblasen wurde und ein erheblicher Teil der von ihr Betroffenen bereits nach zwei bis drei Wochen wieder die Freiheit gewann. Zu diesen vom Glücke begünstig­ten Häftlingen gehörte ich nicht. Ich mußte mich noch mit Geduld wappnen.

KAPITEL 7

Der erste Besuch

In

n unser Gefangenendasein kam allmählich System. Mit einigen Kameraden war ich dem Flügel des Blocks zugewiesen worden, der dem Blockältesten nicht unmit­telbar unterstand, sondern dem Stubenältesten. Es war ein Asozialer, ein gutmütiger Rheinländer, den es nach Bremen verschlagen hatte. Er wurde Hermann genannt. Hermann war in seinem Block, wie überhaupt im La­ger, wegen seiner Kameradschaftlichkeit und Hilfsbe­reitschaft allgemein beliebt. In der einschmeichelnden Mundart des Rheinländers habe ich ihn immer nur mahnen, höchstens räsonieren, nie aber schimpfen hö­ren. Kein häßliches Wort kam über seine Lippen und niemals hat er einen Häftling geschlagen. Ein körper­

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