schon durch das Entgegenkommen unseres Stubenältesten aus den im Block aufliegenden Nazizeitungen wenigstens die deutschen Wehrmachtsberichte zur Kenntnis nehmen. Die Informationen unserer Essenträger reichten jedoch viel weiter als die deutschen Nachrichten. SS - Leute in gewissen bevorzugten Stellungen durften sich offenbar den Luxus erlauben, ausländische Sender abzuhören. Da sie auf die Bedienung durch Häftlinge nicht verzichten konnten, hatten diese Gelegenheit, die eine oder die andere Nachricht aufzuschnappen, die dann wie ein Lauffeuer durchs Lager ging. War auch manche Latrinenparole darunter, so wirkte doch dieser ganze Nachrichtenapparat in unserer Abgeschlossenheit wie ein belebendes Element. Viele Nachrichten erweckten auch Hoffnungen auf ein rasches Ende der Leiden, die sich leider nicht erfüllten. Es waren heiße Augusttage. In der Nacht und am Morgen war es kalt. Die meiste Zeit verging mit Warten und Stehen. In der Frühe standen wir stundenlang auf dem kalten Boden. Dann brannte uns gegen Mittag die Augusthitze auf die Füße und den kahlgeschorenen Schädel. Wir debattierten, spekulierten, phantasierten. Unsere Gedanken kreisten immer nur um den einen Punkt: Heraus mit uns und allen Kameraden aus diesem furchtbaren Lager! Es begann ein Wettlauf zwischen zwei Hoffnungen. Die eine konzentrierte sich auf den Erfolg der Bemühungen von Freunden, Familienangehörigen oder einflußreichen wirtschaftlichen Kreisen, uns frei zu bekommen, die andere gründete sich auf eine baldige Beendigung des Krieges durch eine Niederlage Nazideutschlands. In welchen ungeheuerlichen seelischen Zwiespalt hatte dieses System Deutsche gebracht, in deren heiße Vaterlandsliebe kein Zweifel erlaubt war! Sie mußten jetzt die Niederlage
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