räuber. Einer der Vorarbeiter hatte einmal zwei Polizisten ermordet, war dann viele Jahre in Zuchthäusern, kam später in ein Irrenhaus, flüchtete von dort und wurde schließlich in das Lager Flossenbürg ge- bracht. Besonders stark war die Gilde der Kassenschränker vertreten, darunter wahre Spezialisten dieses Faches.
In dieses Lager und in diesen Kameradenkreis wurden Ende September 1939 ungefähr 1000 politische Gefangene aus Dachau überstellt, weil die Dachauer Baracken für Ausbildungszwecke der SS benötigt wurden. Man hatte uns zugesagt, daß wir im Lager Flossenbürg eine eigene Dachauer Kolonie bilden und mit den„Grünen“ kaum in Berührung treten würden. Die Dauer der Verlegung war anfangs mit zehn Wochen befristet. So ließen wir uns guten Mutes in Viehwaggons stopfen, um die Reise über Regensburg und Weiden anzutreten.
Um ıı Uhr nachts, bei strahlendem Mondlicht, hielt der Zug in Flossenbürg . Die SS hatte sich’s nicht nehmen lassen, uns einen fest- lichen Empfang zu bereiten. Ehe wir den Flossenbürger Boden recht unter den Füßen hatten, gab es die ersten Ohrfeigen, Fußtritte und Kolbenstöße. Um Mitternacht standen wir abmarschbereit: in der Mitte der Fahrstraße die Häftlingskolonne, rechts und links ein Spalier der SS und zum Abschluß ein Auto mit einem Maschinengewehr und einem eingebauten Scheinwerfer, der die ganze Kolonne grell überstrahlte. Und damit die Sicherheit vollkommen sei, stand an jeder Wegabzwei- gung eine Wache mit schußfertigem Gewehr.
Im Lager wurden uns zunächst unter vielen Beschimpfungen und Drohungen die„Grünen“ als Vorgesetzte vorgestellt, dann nahm man uns das bißchen Geld ab und trieb uns in die Baracken.
Schon vom ersten Augenblick an zeigte sich die Tendenz, die politi- schen Gefangenen zu demütigen und ihnen klarzumachen, daß sie weit gefährlicher und verwerflicher seien als die Berufsverbrecher. Am gründlichsten besorgte das ein SS-Obersturmführer, der zeitweilig die Aufsicht über die Steinbrucharbeiten führte, mit den„Grünen“ ver- hältnismäßig schonend umging, die politischen Gefangenen aber nie ‚anders als mit Schwein oder Hund anredete. An einem regnerischen Herbstmorgen, bald nach unserem Eintreffen in Flossenbürg , zog die Kolonne der„Roten “ auf der von Schmutzbächen überrieselten Fahr- straße bergauf zum Steinbruch. Plötzlich kommandierte der Herr Sturmführer:„Hinlegen!“ Die Gefangenen hatten sich flach ausge- streckt auf den Boden zu legen, die Arme vorgeschoben, die Gesichter
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