e
1
S
e
aber, die im Ganzen dabei herauskommen, fließen in die Taschen der SS, getarnt unter der Firmenbezeichnung eines privaten Unternehmens. Und drittens können da oben, in der verborgensten Schlucht der Steinpfalz, Tag für Tag Greueltaten jeder Art verübt werden, ohne Gefahr, daß ein unberufenes Auge zusieht oder daß einmal ein unerwünschter Besuch eintrifft. Bleibt nur die Sorge um das Wohlergehen der SSOffiziere in dieser Einsamkeit. Nun, in entzückenden kleinen Villen auf besonntem Hang, inmitten einer Blumenanlage, mit dem Blick auf die stolze Burg und die Wälder der in der Ferne blauenden böhmischen Berge, mit, einem Dienstauto und einem Reitpferd und mit unzähligen Häftlingen als dienende Sklaven ließ es sich ganz erträglich leben.
Ein zerrissener und zerfahrener Weg bergauf führte vom Lager in die Granitwüste der Steinbrüche. Der eine, zerfurcht und mit zyklopischen Blöcken übersät, war schon lange im Betrieb; auf zwei anderen waren noch die vorbereitenden Arbeiten zu tun, das Bloßlegen des abbauwürdigen Gesteins, der sogenannte ,, Abraum". Diese Steinbrüche waren, ähnlich wie das Lager, mit Stacheldraht eingezäunt und über dem Stacheldraht saßen auch hier die Posten in ihren käfigartigen Hütten. Das war das Lager Flossenbürg. Wer Dachau eine Hölle nennt, hat für Flossenbürg keinen Ausdruck mehr.
-
-
Bis zum Herbst 1939 diente Flossenbürg ausschließlich zur Verwahrung von Verbrechern nach Abbüßung ihrer Zuchthausstrafe. Diese Kategorie hatte auch alle Vorgesetztenstellen inne, die von Häftlingen bekleidet wurden, sie stellten also den ,, Lagerältesten", die ,, Block- und Stubenältesten", die Vorarbeiter und die verschiedenen Schreiber und Verdem gemeinen waltungsgehilfen, die wie es nun schon einmal geht Häftling gegenüber den Vorgesetzten spielen. Der„ Lagerälteste" war neben dem Lagerführer die wichtigste und gefürchtetste Persönlichkeit, sein Einfluß, seine Rechte und seine Roheit waren größer als die mancher SS - Chargen. Er besaß mehrere Sträflingsuniformen, die ihm. ein vorzüglicher Schneider auf den Leib geschnitten hatte, bewohnte einen eigenen Raum und wurde von der SS so reichlich verpflegt, dass ihm die Haut zu eng wurde. Von Beruf war er Zuhälter in Stuttgart . Einer der Blockältesten war Gattenmörder, ein anderer, ausgezeichnet durch Sprachkenntnisse, reiches Wissen und gute Manieren, war Post
71


