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Nacht über Deutschland : Erinnerungen an Dachau ; ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Dritten Reiches ; aus dem literarischen Nachlaß / von Walter Adam
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standteilen eine Rauchfangbürste, wie sie von Kaminfegern über der Schulter getragen wird. Mit diesen Requisiten kostümierte er sich in seinem Versteck als Kaminfeger, beschmierte sich auch das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit mit Ofenruß und spazierte unbefangen und pfei­fend an SS - Posten vorbei, gegen ein äußeres Lagertor. Unterwegs sah er ein Motorrad, das der rechtmäßige Fahrer an einen Baum gelehnt hatte. Rasch entschlossen sprang er auf das Rad, knatterte davon und winkte noch der äußeren Torwache einen freundlichen Gruß zu. Eine halbe Stunde später war er in München . Er genoß aber die Freiheit nur wenige Tage. Durch eine Ungeschicklichkeit, nach anderer Lesart durch Verrat, fiel er der Gestapo in die Hände, wurde nach Dachau zurückgebracht und fand später in dem Lager Flossenbürg ein düsteres

Ende.

Die Rückkehr eines geflüchteten Häftlings wurde von der SS mit grotesken und widerlichen Zeremonien gefeiert. Die Gefangenen hatten auf dem Appellplatz anzutreten, auch die Offiziere und Unteroffiziere der Lager- SS sammelten sich dort in fröhlicher Erwartung eines Schau­spiels. Beim äußeren Lagertor, noch weit außerhalb des Stacheldrahtes, wurde dem Flüchtling eine große Trommel über den Bauch gehängt. Dann formierte sich ein Festzug: voran in einer Reihe der dienst­habende Lagerführer mit einigen Unteroffizieren, dahinter ein Häft­ling, der an einer Stange eine Tafel mit der Aufschrift ,, Ich bin wieder da!" zu tragen hatte, dann der eingeholte Flüchtling mit der großen Trommel und zum Abschluß manchmal noch eine kleine, aus Häft­lingen zusammengestellte Musikkapelle. Der Zug setzte sich in Bewe­gung und der Flüchtling, der sich vor Erschöpfung und Angst vor den kommenden Dingen kaum auf den Beinen halten konnte, mußte im Marschtakt bei jedem zweiten Schritt die Trommel schlagen. So defi­lierte dieser Zug ein- oder zweimal an den langen Reihen der Häftlinge vorbei und nahm dann vor der Mitte der Front Aufstellung. Aus dem Arrest war inzwischen der hölzerne Prügelbock herbeigeschafft worden, das eingefangene Opfer wurde darüber gelegt, zwei kraftstrotzende SS­Unteroffiziere zogen sich die Röcke aus, streiften die Hemdärmel auf und schlugen nun weitausholend los je 25, zusammen so fürchter­liche Hiebe. Fröhliche Soldatenlieder singend marschierte das Lager in die Baracken zurück, während der zusammengeschlagene Delinquent als ein Häuflein Elend in den Arrest geschafft wurde. Dort blieb er mindestens ein Monat, erhielt neuerlich eine Prügelstrafe zudiktiert,

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