standteilen eine Rauchfangbürste, wie sie von Kaminfegern über der Schulter getragen wird. Mit diesen Requisiten kostümierte er sich in seinem Versteck als Kaminfeger, beschmierte sich auch das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit mit Ofenruß und spazierte unbefangen und pfeifend an SS - Posten vorbei, gegen ein äußeres Lagertor. Unterwegs sah er ein Motorrad, das der rechtmäßige Fahrer an einen Baum gelehnt hatte. Rasch entschlossen sprang er auf das Rad, knatterte davon und winkte noch der äußeren Torwache einen freundlichen Gruß zu. Eine halbe Stunde später war er in München . Er genoß aber die Freiheit nur wenige Tage. Durch eine Ungeschicklichkeit, nach anderer Lesart durch Verrat, fiel er der Gestapo in die Hände, wurde nach Dachau zurückgebracht und fand später in dem Lager Flossenbürg ein düsteres
Ende.
Die Rückkehr eines geflüchteten Häftlings wurde von der SS mit grotesken und widerlichen Zeremonien gefeiert. Die Gefangenen hatten auf dem Appellplatz anzutreten, auch die Offiziere und Unteroffiziere der Lager- SS sammelten sich dort in fröhlicher Erwartung eines Schauspiels. Beim äußeren Lagertor, noch weit außerhalb des Stacheldrahtes, wurde dem Flüchtling eine große Trommel über den Bauch gehängt. Dann formierte sich ein Festzug: voran in einer Reihe der diensthabende Lagerführer mit einigen Unteroffizieren, dahinter ein Häftling, der an einer Stange eine Tafel mit der Aufschrift ,, Ich bin wieder da!" zu tragen hatte, dann der eingeholte Flüchtling mit der großen Trommel und zum Abschluß manchmal noch eine kleine, aus Häftlingen zusammengestellte Musikkapelle. Der Zug setzte sich in Bewegung und der Flüchtling, der sich vor Erschöpfung und Angst vor den kommenden Dingen kaum auf den Beinen halten konnte, mußte im Marschtakt bei jedem zweiten Schritt die Trommel schlagen. So defilierte dieser Zug ein- oder zweimal an den langen Reihen der Häftlinge vorbei und nahm dann vor der Mitte der Front Aufstellung. Aus dem Arrest war inzwischen der hölzerne Prügelbock herbeigeschafft worden, das eingefangene Opfer wurde darüber gelegt, zwei kraftstrotzende SSUnteroffiziere zogen sich die Röcke aus, streiften die Hemdärmel auf und schlugen nun weitausholend los je 25, zusammen so fürchterliche Hiebe. Fröhliche Soldatenlieder singend marschierte das Lager in die Baracken zurück, während der zusammengeschlagene Delinquent als ein Häuflein Elend in den Arrest geschafft wurde. Dort blieb er mindestens ein Monat, erhielt neuerlich eine Prügelstrafe zudiktiert,
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