Hinrichtungen
Im Lager Dachau wurden während meines Aufenthaltes dort, insbesondere in den Jahren 1941/42, sehr oft Massenhinrichtungen durchgeführt. Eine ziffernmäßige Angabe kann ich nicht machen, aber die Zahl geht auf jeden Fall in die Tausende. Vom Jahre 1943 an weiß ich nichts auszusagen, da ich an Typhus erkrankt und isoliert war, dann aber entlassen wurde.
Die Opfer waren durchwegs Personen, die von auswärts eingeliefert und sofort oder am nächsten Morgen erschossen wurden. Häftlinge wurden nicht hingerichtet. Wenn es galt, solche zu beseitigen, wurden sie erschlagen oder„, auf der Flucht" niedergeschossen. Die Ermordung von 12 bis 14 österreichischen Politikern, höheren Beamten und Offizieren hat nicht in Dachau , sondern im Lager Buchenwald bei Weimar stattgefunden.
Vor dem Kriege waren die Hinrichtungen selten und es handelte sich immer nur um Einzelpersonen oder kleine Gruppen. Die Gefangenen konnten das genau kontrollieren, weil die Lagerschreinerei die Särge beizustellen hatte. Die Exekutionen wurden im Hof des Lagerarrestes durchgeführt, an dessen Stirnseite ein kleiner Kugelfang errichtet war. Die Erschießung besorgten einige Unteroffiziere der SS. Unmittelbar vorher wurden die Lagerhäftlinge in ihre Baracken gesperrt und erst wieder ausgelassen, wenn die Leichen hinausgeschafft waren.
Gleich nach dem Beginn des Kriegs wurde der Kugelfang im Arresthof vergrößert und bald darauf sollte dort die erste Massenhinrichtung stattfinden. Es handelte sich um ungefähr 50 Polen verschiedener Altersstufen. Ich kann diese Zahl ziemlich genau angeben, weil ich die Verurteilten selbst gesehen habe und weil die Lagerschreinerei in größter Eile die Särge anzufertigen hatte, die dann nachts von Häftlingen zur Hinrichtungsstätte getragen wurden. Den Einzug der Opfer konnte ich heimlich von einer Dachluke aus, auf geringe Entfernung beobachten. Ich werde diesen Zug mißhandelter, zum Teil schwerverletzter Männer, Knaben und Greise, deren Gesichter von überstandenen Schrecknissen und von Todesangst gezeichnet waren, mein Lebtag nicht vergessen. Nachdem alle Vorbereitungen zur Exekution getroffen waren,
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