dünnt. Manchmal wurde die Verdünnung so weit getrieben, daß die Opfer in der Zelle erstickten. Vermutlich wurden im Zuge dieser Experimente auch verschiedene Sauerstoffapparate ausprobiert.
Dann wurde die Reaktion der menschlichen Organe bei einem Absturz aus großer Höhe studiert. Die ausgepumpe Zelle wurde zu diesem Zweck plötzlich geöffnet, um den normalen Luftdruck wieder herzustellen. Auch bei diesen Versuchen gab es Todesopfer.
Andere Experimente erstreckten sich auf das Verhalten der Versuchsmenschen bei längerem Aufenthalt in eiskaltem Wasser. Die Häftlinge wurden in besondere Fliegeranzüge gesteckt und in ein kleines, mit Eiswasser gefülltes Becken geworfen. Dort wurden sie so lange belassen, bis sie kein Lebenszeichen mehr gaben. Dann wurden sie herausgeholt und Wiederbelebungsversuchen unterworfen.
Schließlich wurden beide Experimente kombiniert. Es sollte der Absturz eines Fliegers aus großer Höhe in kaltes Meerwasser dargestellt werden. Der Mann kam also zuerst unter die Luftpumpe und dann wurde er plötzlich in das Eiswasser geworfen.
Ich weiß, daß diese Angaben lückenhaft sind und ich kann auch über die genauere Anordnung dieser Versuche nicht berichten, weil es im höchsten Grade lebensgefährlich war, im Lager auch nur ein Wort über diese Dinge zu verlieren. So kam es, daß auch die geretteten Opfer der deutschen Wissenschaft nur selten und dann mit aller Zurückhaltung von ihren Erlebnissen erzählten. Ein braver, alter Häftling, der als Blockältester fungierte, kam einmal auf einem Dienstgang zu der isolierten Baracke und warf einen Blick durch das Fenster. Er wurde sofort hineingeholt und ist bald darauf als Leiche hinausgetragen worden.
Glaubwürdige Häftlinge, die besser als ich informiert sein konnten, behaupteten, die deutsche Heeresleitung habe festgestellt, daß abgestürzte englische Flieger den Aufenhalt in den Polargewässern besser und länger ertrügen als die deutschen und daher mit einer besonderen Ausrüstung versehen sein dürften. Absicht der deutschen Ärzte sei es gewesen, diesen Dingen auf den Grund zu kommen.
Bald nach dem Beginn der Versuche mit dem Eiswasser kamen einige weibliche Gefangene aus dem Konzentrationslager Ravensbrück nach Dachau , wo sie in Arrestzellen untergebracht wurden. Manchmal wurden nun zwei dieser Frauen, begleitet von einem weiblichen SS - Unteroffizier, aus dem Arrest in die Versuchsbaracke geführt, wo sie einige
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