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Nacht über Deutschland : Erinnerungen an Dachau ; ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Dritten Reiches ; aus dem literarischen Nachlaß / von Walter Adam
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Tierversuche an Menschen

Die Tatsachen, von denen hier die Rede ist, bedeuten einen Schand­fleck auf der deutschen medizinischen Wissenschaft und Forschung. Es handelt sich um Greueltaten, für welche prominente Münchner Ärzte als Veranstalter und Mitwisser die volle Verantwortung tragen. Die SS in Dachau leistete hier nur Handlangerdienste.

Der Skandal begann mit der Erprobung von neuen Heilmitteln für Malaria. Ein Teil einer Spitalsbaracke wurde für diesen Zweck reser­viert und eingerichtet. Dann wurden junge, kräftige Häftlinge nach einer genauen ärztlichen Untersuchung dazu verurteilt, als Versuchs­tiere zu dienen. Manche erhielten Injektionen, die hohes Fieber ver­ursachten, andere mußten sich an Armen und Beinen von infizierten Mücken stechen lassen. So entstand eine kleine, künstlich gezüchtete Malariaepidemie, die manches Todesopfer forderte. Welche Heilmittel oder Heilmethoden angewendet wurden, kann ich nicht angeben. Fast alle Gefangenen, die die Experimente überstanden hatten, waren voll­kommen entkräftet, viele mit schweren Folgekrankheiten behaftet. Der Skandal wurde monatelang betrieben. Alle paar Tage kam ein Professor aus München , manchmal in Begleitung eines ärztlichen Sta­bes, um sich über den Verlauf der Experimente zu unterrichten und neue Anordnungen zu geben. Die Namen dieser Schufte der deutschen Medizin konnte ich nicht erfahren. Einer von ihnen, Professor Dr. Schilling, wurde von den Häftlingen mit dem Spottnamen Dr. Anopheles bezeichnet.

Die Versuche mit Malaria waren aber nur ein Anfang. Es sollten bald viel ärgere Scheuẞßlichkeiten kommen. Eines Tages mußte in aller Eile eine kleine Holzbrücke über den Lagergraben verstärkt werden. Kaum war die Arbeit vollendet, rollte ein mächtiges, mit seltsamen Maschinen ausgestattetes Lastauto ins Lager, und zwar zu einer Spitalsbaracke, die vorher strengstens isoliert und abgesperrt worden war. Wieder wur­den besonders kräftige Gefangene ausgesucht und im Spital eingesperrt. Nun konnte die Forscherarbeit beginnen.

Die Häftlinge wurden in luftdichte Zellen eingeschlossen. Dann wurde die Luft mit den herangeführten Maschinen ausgepumpt, das heißt, entsprechend den atmosphärischen Verhältnissen in großen Höhen ver­

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