der SS erregt hatten, sondern ganz einfach um Kranke, die zusammen- gebrochen waren.
Wir sollten aber noch viel ärgere Szenen zu sehen bekommen. Das Häftlingsspital wurde durch Einbeziehung von Wohnbaracken immer mehr erweitert und eine Baracke am Ende der Reihe wurde als„Inva- lidenbaracke‘“ bestimmt. Dann kamen in längeren Zeitabständen die Invalidentransporte aus anderen Lagern, aus Mauthausen , Flossenbürg , Groß-Rosen und anderen. Die Bilder, die sich jetzt vor den Augen aller Häftlinge entrollten, wird keine Feder und kein Pinsel je in ihrer ganzen Greulichkeit festhalten können.
Unter den Häftlingen, die da in Transporten von ı00 oder 15so Mann ankamen, konnten nur wenige ohne fremde Hilfe gehen. Sie wurden ın Lastautos bis zum Eingang des Baderaumes gebracht, vom Pflege- personal des Häftlingsspitals abgeladen und sortiert: in lebende, ster- bende und tote. Die Toten wurden beiseite gelegt, die Sterbenden auf Tragbahren in das Spital getragen, die Lebenden in das Bad geführt und gereinigt. Die zwei- oder dreihundert Schritte bis zu ihrer Baracke konnten sie nicht zu Fuß zurücklegen. Sie wurden wieder auf Last- anhänger verladen, die von gesunden Sträflingen gezogen wurden. Wagen auf Wagen rollte an uns vorüber, ein Gespensterzug von haut- überzogenen Skeletten mit wackelnden Köpfen, schlenkernden Armen, Gesichtern, die mehr an einen Totenschädel als an ein Menschenantlitz erinnerten. Vielen fehlte ein Fuß, ein Bein, ein Arm, viele waren mit schwärenden Wunden bedeckt. Solche Fracht hatte die SS in Vieh- waggons gepfropft, ohne Wärter, ohne Sanitätspersonal, und hunderte Kilometer transportiert!
Die Überlebenden wurden in der„Invalidenbaracke“ isoliert gehalten, bekamen normale Verpflegung und brauchten nicht zu arbeiten. Sobald sie sich aber erholt hatten, wurden sie unter geheimnisvollen Umstän- den wieder abtransportiert und nach ganz kurzer Zeit kamen Wäsche und Kleider wieder nach Dachau zurück. Aus unvorsichtigen Äuße- rungen eines SS-Unteroffiziers konnten wir für mindestens einen dieser Transporte erfahren, daß er nach Oberösterreich gegangen war und daß die Invaliden dort vergiftet und verbrannt worden sind.
Den Höhepunkt dieser Greuel erlebten wir bei der Ankunft eines Inva- lidentransportes aus einem Lager bei Danzig . Gleich bei der Übernahme der Toten stellten die Pfleger fest, daß einige Leichen frische Wunden trugen und ganze Stücke Fleisch aus Armen oder Schenkeln heraus-
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