fangenen überfüllt wurde, fiel es den Österreichern und den Deut- schen nicht schwer, auf einem Schreiberposten unterzukommen. Werkstättenarbeit wurde vor allem in den„Wirtschaftsbetrieben“ und in der„Sicherheitswerkstätte“ geleistet. Die Wirtschaftsbetriebe waren ein privatwirtschaftlich aufgezogenes Unternehmen der SS. In erster Linie wurden Kasernenmöbel und andere Einrichtungsgegen- stände serienweise mit dem modernsten Maschinenpark erzeugt. Dazu kamen eine Schlosserei und Schmiede, eine Schneiderwerkstätte für die Bedürfnisse(der SS, eine Schuhmacherwerkstätte und anderes mehr. Die„Sicherheitswerkstätte‘“ befand sich innerhalb des Stacheldrahtes und hatte alle handwerklichen Arbeiten im Lager zu besorgen. Sie gliederte sich demgemäß in eine Schreinerei, Schmiede, Schlosserei, Elektrowerkstätte, Glaserei und Anstreicherei.
Ein anderer, auf Gewinn berechneter Großbetrieb der SS war das „Werk Dachau der Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung “, in der Lagersprache kurzweg„Plantage“ genannt. Auf einem Areal von rund 100 Hektar, vom Häftlingslager nur durch Mauer und Stacheldraht getrennt, wurde in großem Stil der Anbau von Heil- und Gewürzkräutern betrieben. Das einträgliche Haupt- produkt dieses Unternehmens war der„Deutsche Pfeffer“, ein Ge- menge von Paprika, Bohnenkraut, Basilikum und Thymian. Außer- dem wurden verschiedene Drogen hergestellt und aus Gladiolen- blättern Vitamin C gewonnen. Da es sich hauptsächlich um saison- gebundene Feldarbeiten handelte, schwankte der Stand der auf der Plantage beschäftigten Gefangenen je nach der Jahreszeit zwischen 200 und 1200.
Große Arbeitsgruppen arbeiteten in rein privaten Betrieben im Ort Dachau , so in der Schraubenfabrik„Präzifix“ und in einer Konserven- fabrik, die lange Zeit an die Truppen in Afrika lieferte. Die Privat- firmen mußten der SS für jeden Häftling einen bestimmten Taglohn bezahlen, der Häftling selbst bekam nichts. Die SS hat also die Häft- lingsarbeit nicht nur für ihre eigenen Zwecke ausgebeutet, sondern auch Geldgeschäfte damit getätigt, eine Schamlosigkeit, die ganz offen betrieben und anscheinend nicht einmal empfunden wurde.
Je tiefer das Dritte Reich in den Krieg hineingeriet und je knapper die Arbeitskräfte wurden, desto größere Bedeutung erlangten die Arbeiten in den Betrieben und Werkstätten. Im Jahre 1943 war es schon so weit, das ganze Häftlingskommandos in andere Städte ent-
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