anderes begangen, als daß er die Zahlung von Alimenten verweigert oder ohne Erlaubnis einen Arbeitsplatz verlassen hatte.
Anderseits gab es ausgesprochene Landstreicher und Berufsbettler, die von der Gestapo aus unerforschlichen Gründen in die Kategorie der politischen Gefangenen eingereiht worden waren. So hatte ich längere Zeit einen Bett- und Tischnachbar, der oft mit behaglichem Stolz erzählte, daß er in allen besseren Gemeindearresten zwischen Linz und München schon zu Gast gewesen ist; aus dem unerschöpflichen Erfahrungsschatz seiner fünfzigjährigen Bettlerpraxis gab er dann freundliche Winke, wie man es am besten anstellt, um hier einem Landwirt, dort einem Pfarrer und dort einem deutschnationalen Gemeindearzt ein möglichst hohes Almosen abzupressen. Der Gestapo blieb es vorbehalten, solche Typen als Politiker zu
werten.
Die Homosexuellen zählten zu den ruhigsten und harmlosesten Gefangenen. Sie wurden viel verspottet, aber sie führten sich gut, machten sich wenig bemerkbar und verschwanden 1940 ganz aus unserem Gesichtskreis.
Echte Gesinnungsfanatiker waren die ,, Ernsten Bibelforscher". Sie wurden isoliert gehalten und auch sonst sehr schlecht behandelt, konnten aber freikommen, wenn sie mit einer schriftlichen Erklärung ihre Sekte verleugneten. Solche Erklärungen wurden nur in ganz vereinzelten Fällen gegeben. Später sind auch die Bibelforscher aus dem Lager verschwunden, ich weiß nicht, was mit ihnen geschehen ist.
Keiner Häftlingskategorie ging es im Lager so schlecht wie den Juden. Ihr Dasein in der Baracke und auf dem Arbeitsplatz war ein ununterbrochenes Martyrium, sie waren Freiwild für die SS und auch für manchen Capo, der entweder selbst von einem blutrünstigen Antisemitismus besessen war oder sich bei der SS Liebkind machen wollte. Diese Zustände nahmen grauenhafte Formen an, als Ende 1938 der Massenzustrom an Juden einsetzte. Die Sterblichkeit wurde so groß, daß die Leichen schon damals wie eine Warenfracht aus dem Lager geführt wurden. Man verwendete hiezu einen Lastwagenanhänger, dessen Bordwände hinuntergeklappt wurden. Die vollkommen entkleideten Leichen wurden in einer Reihe dicht nebeneinander auf die Plattform gelegt, darüber kam eine zweite Reihe, mit den Köpfen beim Fußende der unteren, dann eine dritte und manchmal noch
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