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Nacht über Deutschland : Erinnerungen an Dachau ; ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Dritten Reiches ; aus dem literarischen Nachlaß / von Walter Adam
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Jahren waren diese Kategorien in Dachau überhaupt nicht mehr ver­

treten.

Die Juden im Dachauer Lager waren als ,, Politische", also mit rotem Dreieck auf gelber Unterlage, gekennzeichnet. Ihre Zahl war anfangs gering, aber je weiter die Einlieferung der Österreicher fortschritt, desto mehr kamen auch Wiener Juden. Im November und Dezember 1938 setzte dann ein Massenzustrom an Juden ein, so daß sie zu 200 Mann in Stuben gepfropft wurden, die zur Not für 90 Mann Unterkunft boten. In der Lagersprache nannte man diese Schand­unterkünfte ,, Kaninchenställe". Kaum war das Lager mit Juden über­füllt es erreichte damals einen Stand von 18.000 Häftlingen be­gannen auch schon die Abtransporte jener Juden, die eine Ausreise­bewilligung erhalten hatten. So wurden an manchen Tagen bis zu 200 Mann entlassen. Mehrere tausend blieben zurück. Soweit sie nicht erschlagen oder fahrlässig getötet wurden, schickte man sie allmählich in andere Lager, so daß bis Ende 1942 fast alle aus Dachau entfernt waren.

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Die politischen Häftlinge aus dem Reich gehörten fast alle der kommunistischen Partei an, Sozialdemokraten gab es nur wenige, sonstige Parteiangehörige( Zentrum, Bayrische Königspartei, Deutsch­nationale und andere) vereinzelt. Dazu kamen noch die sogenannten Parteiverräter, das waren Nationalsozialisten, die mit einflußreichen Parteifunktionären in Konflikt geraten waren, oder deren Ver­schwinden aus weniger ehrenhaften Gründen erwünscht schien. Auch die ehemaligen Angehörigen der französischen Fremdenlegion waren als politische Häftlinge gekennzeichnet.

Unter den reichsdeutschen Kommunisten konnten zwei Gruppen deutlich unterschieden werden. Die Mehrheit bestand aus klassen­bewußten, parteimäßig geschulten und zu einem Teil sehr intelligen­ten Arbeitern verschiedenster Branchen. Sie hielten gut zusammen, bekannten sich offen zu ihrer Gesinnung und hatten eine geheime Führung im Lager. An viele dieser kommunistischen Häftlinge er­innere ich mich mit aufrichtiger Sympathie, an einige, die mir wäh­rend meiner Erkrankung an Typhus hilfreich zur Seite gestanden sind, mit herzlicher Dankbarkeit. Daneben gab es eine andere Gruppe, die sich ebenfalls als kommunistisch bezeichnete, in Wahrheit aber ein

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