spielzeug und dergleichen mußten kostenlos von den Häftlingen her- gestellt werden, bestenfalls bekamen sie einmal eine Wurst oder ein paar Zigaretten als Trinkgeld. Ein hochqualifizierter Gießer hatte ungefähr zwanzig mächtige Briefbeschwerer aus Bronze anzufertigen, zu einer Zeit, wo dieses Metall schon zu einer Kostbarkeit geworden war. In der Münchner Privatwohnung der erwähnten Blutordens- trägerin hatte ein Möbeltischler monatelang zu arbeiten; er wurde täglich in einem Auto hin- und zurückgeführt, es gab genug Benzin für solche Zwecke.
Der Hang zum Luxus auf Staatskosten kam auch in den Wohnungen der SS -Offiziere zum Ausdruck. So hatte der Lagerkommandant eine prächtige Villa zur Verfügung, mit sieben Wohnräumen und luxuri- ösen Nebenräumen, einem Wintergarten und einem großen Zier- und Nutzgarten. Die groben Arbeiten in diesem Haushalt wurden selbstverständlich auch von unbezahlten Gefangenen verrichtet.
Mit der Waffen-SS kamen die Häftlinge nur während der Arbeits- zeit in Berührung. Beim Morgenappell marschierte die Bewachungs- kompanie in das Lager, übernahm partienweise die Arbeitsgruppen der Häftlinge und geleitete sie hinaus und zurück. Während der Arbeitszeit umstellten diese Leute den Arbeitsplatz mit einer Posten- kette. Wenn ein Häftling über die Postenkette hinausging, konnte er ohne vorherige Warnung erschossen werden, was sehr oft ge- schehen ist.
Diese Kompanien der Waffen-SS bestanden durchwegs aus jungen Leuten, zum Teil nach kaum beendeter Rekrutenausbildung. Sie waren von ihren Vorgesetzten und von der Lager-SS wie Fanghunde auf die Häftlinge dressiert und wetteiferten mit ihren Totenkopf- kameraden im Schimpfen und in Roheitsakten. Der Ausdruck „Fanghunde“ ist nicht übelwollend erfunden. Wenn man diese jungen Burschen mit geladenem, schußfertigem Gewehr und aufgepflanztem Bajonett schreiend, schimpfend und fluchend neben und hinter den Häftlingskolonnen einherlaufen sah, hatte man unwillkürlich den Eindruck, als begleiteten Fanghunde eine Herde. In den Gesprächen, die diese jungen Burschen— entgegen einem Lagerverbot— während der Arbeitszeit mit vielen Häftlingen führten, kam die Borniertheit der nationalsozialistischen Propaganda ebenso zum Ausdruck, wie ein
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