dreckter Schlawiner, verdreckter!“ belegt, weil auf einer Briefadresse seine militärische Charge angegeben war. Ein junger polnischer Universitätsstudent wurde ertappt, daß er Briefe seiner abgöttisch verehrten Mutter bei sich trug; er wurde angezeigt und mit dem Pfahl bestraft, weil er„Unrat“ bei sich führte. Ein Wiener Zeitungs- herausgeber, ein harmloser älterer Herr, der das Unglück hatte, durch seinen beträchtlichen Leibesumfang aufzufallen, wurde gezwungen, mit nacktem Oberkörper schwere, scharfkantige Betonklötze zu schleppen. Er trug auf Rücken und Schultern viele Hautwunden davon und brach schließlich zusammen. Als er wieder imstande war, aufrecht zu gehen, beschaffte man einen zerbrochenen Nachttopf, stülpte ihn dem alten Mann auf den Kopf und ließ in so stundenlang auf und ab spazieren.
Ich erzähle solche Episoden, nicht um aus den einzelnen Tatbeständen ein großes Wesen zu machen— es sind ja viel furchtbarere Ver- brechen verübt worden—, sondern zur Charakteristik der Geistes- verfassung der Lager-SS, denn von den Grausamkeiten und Schikanen, die noch im tiefsten Frieden an wehrlosen politischen Gefangenen verübt wurden, führt ein schnurgerader Weg zu den gigantischen Massengräbern in Lublin und Auschwitz .
In den höheren Chargen der SS zeigte sich nicht selten der dem Emporkömmling eigentümliche Hang zu Luxus. Ein Lagerkomman- dant ließ sich in der großen Schreinerwerkstätte des Lagers von best- geschulten Häftlingen eine hölzerne Villa herstellen, mit eingebauten Möbeln und allem sonstigen Komfort. Fachleute schätzten den Holz- wert allein auf 50.000 Reichsmark. Diese Villa wurde in das öster- reichische Salzkammergut gebracht und von Häftlingen aufgestellt. Andere Häftlingskommandos, die ebenfalls von Dachau in das Salz- kammergut entsendet wurden, hatten die Installationsarbeiten zu besorgen und einen Garten ringsum anzulegen. Alle Arbeiten, auch die Überstunden bei Nacht, mußten von den Häftlingen kostenlos geleistet werden. Kaum war die Villa fertig, ließ derselbe Lager- kommandant in der zweiten Schreinerwerkstätte ein luxuriöses Weekendhaus für seine Schwiegereltern bauen!
Auch sonst wurden in allen Werkstätten unbezahlte Privatarbeiten für SS-Offiziere und sogar für eine der SS nahestehende„Blutordens- trägerin“ geleistet. Ungezählte Möbelstücke, handgeschmiedete Be- leuchtungskörper, Ziergegenstände aller Art, ganze Berge von Kinder-
2 Nacht über Deutschland' 17


