gefährlich schien, daß er gleich mit dem ersten Transport nach Dachau mußte. In einer Ecke beim Fenster sitzt ein braver junger Polizeikommissär. Er empfängt jetzt und auch später während der Fahrt viel mehr Ohrfeigen, Fausthiebe und Tritte als die anderen Kupeegenossen. Aus den Schimpfworten, die die Miẞhandlungen begleiten, erfahren wir den Grund: die SS - Leute halten den kleinen Polizeikommissär für den Polizeipräsidenten von Wien .
Nun setzt sich der Zug in Bewegung, aber die Hoffnung, daß während der Fahrt die Quälereien aussetzen werden, erweist sich als töricht. Vor jeder Kupeetür bleibt ein Posten mit Stahlhelm und geladenem Gewehr, das bedeutet Ohrfeigen, Kolbenstöße und Fußtritte ohne Ende. Zwischendurch gibt es kurze politische Vorträge, die ungefähr mit der Anrede ,, Os verreckte Sauhund, ös verreckte" beginnen, dann zu einer Charakteristik der Österreicher als faules, verjudetes und verpfafftes Kaffeehausgesindel übergehen und in der Beschwerde gipfeln, daß die ,, System"-Regierung alle Deutschen gemartert, gefoltert und ermordet habe. ,, In den Straßen Wiens", berichtete uns ein bayrischer Unteroffizier ,,, liegen haufenweise die Leichen der Verhungerten. Jetzt kriegen die Wiener aus den deutschen Fahrküchen zu fressen, aber es wäre besser, wenn sie alle krepierten."( In der allgemeinen Charakteristik der Österreicher stimmten manche Häftlinge mit der SS überein.)
Die Posten vor den Kupeetüren sind leider nicht unsere einzige Gesellschaft aus dem Reich. Immer wieder tauchen andere SS - Männer auf und jeder trägt mit Faust und Kolben seinen Teil zu unserer Umschulung bei. In St. Pölten ist Aufenthalt. Er bringt uns eine kleine Erheiterung. Die Vorhänge werden beiseite geschoben und wir sehen auf dem öden, nachtdunklen Perron etwa acht oder zehn Weiber, die beim Anblick der SS - Männer näher herankommen und. in kreischende Heil- Hitler- Rufe ausbrechen. Da dreht sich der Posten um und schleudert uns im schönsten Hochdeutsch, das einem Münch ner Bierführer zu Gebote steht, die vorwurfsvollen Worte zu: ,, Da sechts es, wie das deutsche Volk über euch Drecksäue denkt." Nach dieser Kundgebung geht die Fahrt weiter- Amstetten, Linz es dauert schon Stunden, aber die SS wird nicht müde und die Prügel nehmen kein Ende. Bei manchem Gefangenen stellt sich die Notwendigkeit ein, einem natürlichen Bedürfnis Folge zu geben. Das bedeutet eine peinliche Verschärfung der Tortur. Hat nämlich der
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