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Nacht über Deutschland : Erinnerungen an Dachau ; ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Dritten Reiches ; aus dem literarischen Nachlaß / von Walter Adam
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kaiserlichen und königlichen Armee kam. Mit 26 Jahren erreichte ich den Generalstab. Auch im ersten Weltkrieg hatte ich viel Glück, unter anderem das Glück, eine Zeitlang in der nächsten Umgebung des Feldmarschalls Conrad zu dienen. Er war ein kleiner, zierlicher Feldmarschall und doch um einen guten Kopf größer als Hitlers Generalfeldmarschälle zusammengenommen und noch den Reichs­marschall dazu.

Dann habe ich die Uniform abgelegt und nie wieder eine angezogen.. Ich habe mir einen Zivilberuf erwählt und hatte wieder Glück, denn ich brachte es zum Chefredakteur einer angesehenen Wiener Zeitung . Nach zehn Jahren wurde ich in den Staatsdienst zurückgerufen und ich wurde allerhand: Bundeskommissär mit Sitz im Ministerrat, Generalsekretär der ,, Vaterländischen Front", Mitglied des Staatsrates, Chef des Pressewesens. Über meine Leistungen in diesen Diensten ist. nichts Besonderes auszusagen. Nur eine negative Leistung muß ich er­wähnen: ich habe nichts gestohlen. Als ich im März 1938 verhaftet. wurde, hatte ich weder eine Villa, noch ein Privatauto, nur ein Ein­lagebuch der österreichischen Postsparkasse, lautend auf ungefähr zweitausend Schilling. Ich erwähne das, weil mir die Wiener Polizei im Jahre 1938 einen Kommissär in das Münchner Gestapo - Gefängnis nachschickte mit der Einladung, ich möge gestehen, welche Ver­mögenswerte ich ins Ausland verschoben habe. Es scheint also, daß in nationalsozialistischen Gehirnen die Begriffe höherer Staats­dienst und Vermögensschiebung nahe beieinander wohnen. Meine Laufbahn endete am 12. März 1938 auf einem Haufen Stroh in einer improvisierten SS- Kaserne, Wien , I., Concordiaplatz, meine >> probeweise" Freilassung erfolgte am 15. Juli 1943. Von der Zeit. meiner Haft verbrachte ich vier Jahre und vier Monate im Konzen­ trationslager Dachau , fünf Monate im Konzentrationslager Flossen­ bürg , den Rest in Gefängnissen der Polizeidirektion Wien, im Gestapogefängnis in München , in der Strafanstalt Stadelheim bei München , im Gefängnis des Landesgerichtes I in Wien und in den Schubarresten der Polizeidirektionen München und Salzburg . Dann wurde ich aus Österreich ausgewiesen und unter Polizeiaufsicht: gestellt.

Dabei blieb es bis zum 26. März 1945, 2 Uhr nachmittags.

Um diese Stunde stand ich an einem Fenster der Westseite des Schlosses Molsberg und schaute auf das Dorf Wallmerod hinunter.

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