Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
Seite
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ANHANG

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Dachau erlebt er selbst dieses Ende... Doch die Zeit drängt, leb' wohl, toter Kamerad! Wortlos nahmen wir unsere Müt­zen wieder auf und flüchteten stundenlang über das tief ver­schneite Hochmoor abseits der Straßen in Nordostrichtung.

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Als wir erschöpft am Ufer der Isar rasteten, um einen Übergang auszufinden, wurden wir dort von einem Bauern entdeckt. Sein Begleiter war zu meinem Erstaunen ein Be­kannter aus meiner Heimatstadt und erkannte mich. Die beiden erklärten sich sofort bereit, uns zu dem in der Nähe liegenden Bauernhof mizunehmen. Das war unsere Ret­tung, denn mit Macht kam nun die Krankheit und die Erschöpfung zum Ausbruch. Nur die Energie und ein eiserner Wille hatten uns so weit führen können. Auf dem Hof wurden wir von der Familie gut aufgenommen, der Bauer gab uns Zivilsachen und versteckte uns, denn einige Male kam die Mord- SS in die Umgebung und den Hof selbst. Anfangs Mai besetzten die Amerikaner das am Fuße des Hofes gelegene Königsdorf, und erst jetzt fühlten wir uns mit vollem Bewußtsein frei. Drei politische Gefangene, mit zusammen 28 Jahren Haft im Dritten Reich, waren wieder dem Leben zurückgegeben... Nach Wochen der. Krankheit und Genesung kehrte ich von dort am 4. Juni nach Nürtingen zurück, das ich als Gefangener der Gestapo im Mai 1935 verlassen hatte.

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Werner Groß, Gef.-Nr. 84- KZ Dachau .