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ANHANG
Kurzer Bericht eines Augenzeugen, des ehemaligen Dachauer Häftlings Werner Groß aus Nürtingen , über den Todesmarsch in die Berge.
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Eine unheimliche Atmosphäre schwebte seit den letzten Aprilwochen über dem Konzentrationslager Dachau . Die bange Frage: Was wird mit uns geschehen? drängte sich jedem politischen Gefangenen unbarmherzig auf.- Nachdem die amerikanischen Armeen die Donau zwischen Dil lingen und Donauwörth überschritten hatten und in den Raum von Augsburg drückten, zu gleicher Zeit sich vom Süden her über Kempten und Memmingen starke Panzerverbände vorschoben, waren in Tagen und Nächten hindurch die Akten und Karteien sämtlicher Schutzhäftlinge auf der politischen Abteilung sowie den zahlreichen anderen Dienststellen der SS verbrannt worden, und ein ununterbrochener Regen von verkohlten Papierstücken ging kilometerweise im Umkreis nieder. Das verhieß nichts Gutes, und nervenanspannende Stunden waren die Einmärsche von der täglichen Arbeit ins Lager zurück. Dort zirkulierten unzählige Parolen und Auffassungen; Meinungen und Gegenmeinungen prallten auf den überfüllten Blocks und Stuben aufeinander, auf der Lagerstraße diskutierten erregte Gruppen von Menschen aller Nationen über die Möglichkeit und Unmöglichkeit einer Verschleppung. Das Internationale Rote Kreuz soll das Lager übernehmen, heißt es, aber nur die Ausländer... Was wird dann aber mit uns Deutschen geschehen, ist die Frage, und warum sind dann alle Häftlingsakten verbrannt worden? Noch rückt das große Arbeitskommando täglich aus, dessen Antreiber den Panzergraben gegen unsere näherrückenden Befreier weit um Dachau ziehen lassen. Über allem Elend und Not scheint die warme Früh
Fünf Minuten vor Zwölf 19
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