Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF

werfen, vielmehr entschlossen wir uns, uns bei dem end­gültigen Finale der Befreiung ganz der violetten Limousine aus der Arcisstraße zu überlassen; was von jedem Stand­punkt aus das Richtige war.

Lackmann setzt uns gestern davon in Kenntnis, daß die Fragebogen endlich, endlich zur Zufriedenheit beantwortet sind. So ist also auch dieser Stein aus dem Wege geräumt, und das Auto findet uns bereit.

25. Mai 1945.

Auch der gestrige Tag hatte seine Sensation. Riesige Mühlräder schleppten sie auf den Achseln, unter ihrer Last keuchend, daher. Und diesmal lohnte sich die Entdeckung auch für die Eingeweide, es waren nahrhafte Mühlräder: sie bestanden aus getrockneten Zwiebeln, einer Substanz, die nach unserer Erinnerung ziemlich viel Vitamine ent­hält. Das war ein einträglicheres Schatzgraben als bei dem Hamsternest der Stoffballen, die nicht eine Spur von Eẞ­barkeit aufwiesen. Das Auffinden war entsprechend schwer und erforderte Talent und Unerschrockenheit nebst einer Wünschelruten- Nase. Tief unter dem Erdreich verborgen lagen die Zwiebelräder, ein Labyrinth von dunklen Gän­gen führte den Tastenden in die nahrhafte Kammer; wer Glück hatte, kam mit einer Zentnerlast wieder ans Tages­licht, und wer keines hatte, dem wurde das Mühlrad wie­der von den Posten abgenommen, die inzwischen Lunte ge­rochen hatten und an der Türe lauerten. Ich kann mich rühmen, Glück gehabt zu haben, aber ob es mir treu blei­ben wird, wenn es gilt, das Mühlrad mit durch die Posten­kette in die Freiheit zu lotsen, das steht auf einem andern Blatt!

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26. Mai 1945.

Wie schwer es doch die Prominenten haben, die Maß­gebenden, die Verantwortlichen, die Würdenträger! Zuerst welche Mühe, bis sie nur zu ihren Ämtern gelangt sind,