Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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ZWÖLF UHR

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und zu zweifeln; aber zu denen möchte ich nicht gehören, wahrlich nicht. Ich ströme über von Dankbarkeit, ich richte den gebeugten Rücken auf, ich könnte alle an die Brust nehmen wie Freunde. Es ist mir so leicht ums Herz, und ich lasse es mir so gerne wohl sein. Muß ich es mir nicht zuschwören: niemals, niemals mehr will ich sorgen. Denn der an mir das Wunder getan, mich mitten in der Ge­fangenschaft von der allerschwersten Fessel zu befreien, und der dann auch den äußerlichen Kerker in einem Augenblick geöffnet hat, als ihn der Feind für immer schließen wollte, der hat Anspruch auf mein unbedingtes Vertrauen für alle Zukunft. Der mir das Große und Größte gegeben, für ihn ist es ein Leichtes, mir auch das Kleinere darzureichen. Also weg mit euch, ihr kleinmütigen Gedanken! Weg mit dir, du Undank, der du immer noch nicht zufrieden sein willst mit den Beweisen der Freundlichkeit und Leutselig­keit meines Gottes! Alles ist gut, denn Er hat alles gut gemacht. Bürge ist dafür Christus, der meine Sünde hin­weggenommen hat, so daß ich strahle, reiner als Michael! Er weiß auch, wie er mich weiterbringen wird. Er kennt den Dienst schon, den Er mir zuweist. Im Verlag? In der Verkündigung? Er weiß es, und mir ist es recht, es mag sein ,, ein Liebes oder Leides,

ich bin getrost, daß beides aus seinen Händen quillt!"

Donnerstag, 4. Mai 1945.

Der großzügige Uncle Sam! Kaum war er hier, so klapperte auch schon auf jeder Stube jeden Blocks eine Schreibmaschine! Sie steht den Delegierten der verschiedenen Völkergruppen zur Verfügung. Diese Dele­gierten bilden, das Internationale Komitee der ehemaligen Häftlinge, das wiederum dem neuen Kommandanten unter­