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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
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Leben wie ein mit Blitzesschnelle abrollender Film erscheint, auch dieses Augenblickes Ewigkeitsbedeutung dartun wird? Mit Genugtuung wird vernommen, daß auch die Tyrannen in Häftlingskleidung vors Tribunal geladen werden, damit durch ordentlichen Richterspruch der amerikanischen Behörde ein gerechtes Urteil über ihre Untaten gefällt wird. Der Polizeicapo, der ehemalige Lagerälteste, ein Armenier, einige Capos( auch der Plaggeist des Knaben Hiob ist darunter mit dem bezeichnenden Namen Deutsch ) und einige Blockälteste sind dingfest gemacht worden; unter den letzteren auch der Pascha von Block 4. Ebenso ist der 75jährige Malariaforscher, Professor Schilling, verhaftet worden. Ihn wird sein weißes Haar nicht vor dem Strange schützen, sowenig es ihn schützte vor den zahlreichen Bestialitäten, die er angeblich im Dienste der deutschen Rasseforschung verübte, indem er wehrlose Häftlinge zwang, sich ihm zur Vivisektion und für sonstige, ebenso grausame als schändliche Experimente zur Verfügung zu stellen. Eine Anzahl ist diesen Versuchen erlegen; Dutzende laborieren heute noch an den Folgen der künstlich bei ihnen erregten Malaria und werden das Fieber nicht los. Noch gut erinnere ich mich der Erregung, die durch unsere Reihen ging, als jener andere Versuch von Block zu Block geflüstert wurde, der an Ordinärheit und Verworfenheit einen Tiefpunkt darstellen mag und ein Licht auf die grenzenlose Verachtung wirft, mit der die arische Lichtrasse Angehörige derselben Lichtrasse behandelte. Man wollte zu Flugzwecken feststellen, welchen Kältegrad ein Mensch auszuhalten vermöge, ohne die Empfindung zu verlieren. Zu diesem Behufe wurden die Versuchstiere die Häftlinge in ein Wannenbad gelegt und dort sehr starken Kälteeinwirkungen solange ausgesetzt, bis sie erstarrten; darauf, die Feder sträubt sich, es niederzuschreiben, legte man schöne Mädchen an ihre Seite, weil die Herren der Wissenschaft so am
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