Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF

Gott sei Dank: Freudentränen, kein Haß! Dank! Das Ge­fühl der Zusammengehörigkeit regiert die Gemüter und läßt der Rachsucht keinen Platz. Unsre Gebete sind erhört. Ihm sei Dank in der Höhe!

Im Herrnhuter Losungsbüchlein lasen wir diesen Morgen für den heutigen bedeutungsschweren Tag folgende Worte:

,, Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn, denn er hat sich aufgemacht aus seiner heiligen Stätte."

Zions Stille soll sich breiten

Sacharja 2, 17.

auf mein Sorgen, meine Pein, denn die Stimmen Gottes läuten Frieden, ew'gen Frieden ein!"

Und als Lehrwort:

,, Selig sind, die nicht sehen

und doch glauben!"

Joh. 20, 19.

Der Wochenspruch lautete auf den heutigen Sonntag

Cantate :

,, Singet dem Herrn ein neues Lied,

denn er tut Wunder!"

Psalm 98, 1.

Montagmorgen

Ich habe mir nachträglich die Herrnhuter Losung ange­sehen und eilte, sie samt dem sogenannten Lehrtext und dem Wochenspruch abzuschreiben, so, wie die wundersamen Worte von Pfarrer Rackwitz gestern morgen, als wir noch keine Ahnung von der Wucht der sich überstürzenden Er­eignisse und der Bedeutung dieses Sonntags Cantate hatten, zu Beginn des Gottesdienstes vorgelesen wurden. ,, Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!" Das war